Ein imaginäres Gespräch, wie es sich im Kopf eines Journalisten abspielen könnte, während er die täglichen Schlagzeilen sichtet:
Die Geopolitik als Zerrspiegel der Werte
Der Konservative:
Man schaue sich die Welt an: Überall Krisen, und doch nur leere Worthülsen. Die USA reden mit dem Iran über dessen Nuklearprogramm US, Iran hold high-level talks on Tehran’s nuclear program, während gleichzeitig Kriegsschiffe in der Nähe aufmarschieren US build-up of warships and fighter jets tracked near Iran. Was ist das für eine Diplomatie? Ein Säbelrasseln, das nur Schwäche zeigt. Und dann kommt ein Donald Trump daher und behauptet, er sei „indirekt“ an den Iran-Gesprächen beteiligt Trump says he will be ‚indirectly‘ involved in Iran nuclear talks. Die Linke beklagt sich über seine Art, aber wer hat unter ihm für mehr Stabilität gesorgt? Währenddessen kämpfen erschöpfte Reparaturteams in Kiew Tag und Nacht [Ukraine: In Kyiv, exhausted emergency repair crews work around the clock](https://www.dw.com/en/ukraine-in-kyiv-exhausted-emergency-repair-crews-work-around-the-clock/a-75965680?maca=en-rss-en-top-1022-rdf], und wir tun so, als könnten wir mit Waffenlieferungen Frieden erzwingen. China wiederum trifft Japan dort, wo es wehtut China is hitting Japan where it hurts. Will PM Takaichi give in? – knallharte Interessenpolitik, da gibt’s kein Moralgetue. Und Macron in Indien, um Rafale-Deals zu pushen und KI-Bindungen zu schmieden [France’s Macron in India to boost Rafale deal talks, AI ties](https://www.dw.com/en/france-s-macron-in-india-to-boost-rafale-deal-talks-ai-ties/a-75998082?maca=en-rss-en-top-1022-rdf]? Jeder für sich, das ist die Realität.
Die Progressive:
Ihre Sicht ist so Schwarz-Weiß wie die einer alten Wochenschau. Es ist eben kompliziert. Gerade weil die Gefahr eines Atomkonflikts real ist, muss man reden, auch unter militärischer Präsenz. Das ist kein Säbelrasseln, das ist eine gefährliche Balance. Und Trumps "indirekte Beteiligung" ist wohl eher eine Eigeninszenierung. Die Menschen in Kiew leben in einem Krieg, der die humanitäre Hilfe und diplomatische Bemühungen umso dringlicher macht, nicht weniger. Chinas Vorgehen gegen Japan zeigt die Kehrseite des globalen Handels, die wir in unseren Lieferketten oft ignorieren. Und Macron? Er versucht immerhin, globale Partnerschaften abseits alter Blockkonfrontationen aufzubauen, sei es bei Rüstung oder Zukunftstechnologien. Das ist ein Versuch, europäische Interessen in einer multipolaren Welt zu behaupten.
Die Lüge als Normalität: Medien und KI
Die Progressive:
Der "KI-Skandal" um das ZDF-Heute-Journal, wo von "Fake-Videos" die Rede ist [ZDF-Skandal eskaliert: Zweites Fake-Video im selben Heute-Journal-Beitrag aufgedeckt!](https://www.nius.de/medien/news/zdf-skandal-eskaliert-zweites-fake-video-im-selben-heute-journal-beitrag-aufgedeckt/cf1982f1-3349-44e4-94ee-35c02f14ff36], ist besorgniserregend. Die Glaubwürdigkeit etablierter Medien steht auf dem Spiel, wenn KI-generierte Inhalte ohne Kennzeichnung verwendet werden. Ein Reporter spricht sogar von einem "Medienskandal" [Reporter Julius Böhm über die KI-Fakes des ZDF: „Es ist ein Medienskandal“](https://www.nius.de/nius-live/news/reporter-julius-boehm-ueber-die-ki-fakes-des-zdf-es-ist-ein-medienskandal/f28699e7-02d7-4ec9-a7b1-37275d0d78d1]. In China zeigt man indes humanoide Roboter und KI-Moderatoren zur besten Sendezeit Humanoide Roboter, Drohnen, KI-Moderatoren: China zeigt die Zukunft – zur besten Sendezeit, das ist die Zukunft – eine, die ebenso faszinierend wie beängstigend sein kann, wenn sie zur Manipulation missbraucht wird. Es zeigt, wie sich das ZDF in Lügen verstrickt KI-Skandal um heute journal: So verstrickt sich das ZDF in Lügen und damit das Vertrauen untergräbt, das wir in die vierte Gewalt setzen sollten.
Der Konservative:
Vertrauen? Welche vierte Gewalt? Es ist doch der Beweis, dass unsere sogenannten "Mainstream-Medien" schon immer eine Agenda hatten und nur darauf warten, Falschinformationen zu verbreiten, ob mit oder ohne KI. Das ist keine neue Gefahr durch KI, sondern eine alte Krankheit des Systems. Die KI ist nur das Werkzeug, die Absicht kommt von den "Journalisten". China ist da wenigstens ehrlich in seiner Diktatur der Algorithmen. Bei uns nennt man es „Aufklärung“ und schiebt es auf einen technischen Fehler. Lächerlich. Wir brauchen keine Warnung vor KI, wir brauchen Medien, die ihrer Aufgabe nachkommen und nicht manipulieren.
Migration, Identität und soziale Verwerfungen
Der Konservative:
Schauen Sie sich Schweden an: Das Land, das so lange als Musterbeispiel für eine offene Gesellschaft galt, will nun sogar ein Baby ohne Eltern nach Iran abschieben [Emanuel ist acht Monate alt und soll ohne seine Eltern nach Iran abgeschoben werden – Schwedens harte Migrationspolitik stösst auf Widerstand](https://www.nzz.ch/international/schweden-will-baby-emanuel-nach-iran-ausschaffen-ld.1925109]. Die Realität holt uns alle ein. Wenn die Gesellschaft nicht mehr funktioniert, wenn es zu Problemen kommt, muss man eben harte Entscheidungen treffen. Und in Frankreich? Die radikale Linke hat ein Gewaltproblem [Getöteter Student in Lyon: Frankreichs radikale Linke hat ein Gewaltproblem](https://www.nzz.ch/international/verharmlosung-linksradikaler-gewalt-lfi-chef-melenchon-unter-beschuss-ld.1925128] – wo bleibt da die Empathie für die Opfer? Wenn in den USA ein "Trans-Killer" mehrere Menschen in einer Sporthalle tötet [Er soll bei der Tat Frauenkleider getragen haben: Trans-Killer tötet mehrere Menschen in Sporthalle in den USA](https://www.nius.de/ausland/news/er-soll-bei-der-tat-frauenkleider-getragen-haben-trans-killer-toetet-mehrere-menschen-in-sporthalle-in-den-usa/f9749268-3704-44d7-a9b8-29a5134a4771], dann darf man die Fragen nach den Ursachen und der Identität nicht ausblenden, nur weil es unbequem ist. Und Kuba? Der Mangel an Kraftstoff führt zu einer Müllkrise [Cuba: Fuel shortage creates garbage crisis](https://www.dw.com/en/cuba-fuel-shortage-creates-garbage-crisis/a-75997992?maca=en-rss-en-top-1022-rdf]. Das ist das Ergebnis von ideologischer Verblendung und Misswirtschaft. Nationale Interessen und Ordnung müssen Vorrang haben.
Die Progressive:
Ein Baby abzuschieben, ist ein humanitäres Desaster, egal wie "hart" die Migrationspolitik sein soll. Das ist keine Stärke, das ist Barbarei, die Widerstand hervorruft. Gewalt in Frankreich ist immer zu verurteilen, egal von welcher politischen Seite sie kommt, und sollte nicht dazu genutzt werden, ganze Bevölkerungsgruppen zu stigmatisieren. Den furchtbaren Fall des Amokläufers in den USA auf eine einzige Identitätseigenschaft zu reduzieren, ist zynisch und lenkt von den vielschichtigen Problemen der Waffengewalt und psychischen Gesundheit ab. Und die Kuba-Krise ist das Resultat jahrelanger Sanktionen und einer globalen Energiekrise, nicht nur „ideologischer Verblendung“. Es sind komplexe soziale Probleme, die differenzierte Lösungen erfordern, nicht einfache Schuldzuweisungen.
Elite, Macht und Verantwortung
Die Progressive:
Die Epstein-Files und die Anschuldigungen von Hillary Clinton gegen die Trump-Regierung eines "Cover-ups" [Hillary Clinton accuses Trump administration of Epstein files ‚cover-up‘ in BBC interview](https://www.bbc.com/news/articles/czx47k34yqxo?at_medium=RSS&at_campaign=rss] zeigen erneut, wie weitreichend der Einfluss und die Verstrickungen der Eliten sind. Es ist empörend, dass das Mitfliegen in seinem Flugzeug oder das Feiern auf seinen Partys scheinbar kein Verbrechen ist, auch wenn Minderjährige betroffen waren [Epstein-Files: «Im Flugzeug mitzufliegen, ist kein Verbrechen, auch nicht, an einer Party mit Minderjährigen zu feiern»](https://www.nzz.ch/international/epstein-files-warum-gibt-es-nicht-mehr-anklagen-ld.1925092]. Hier müssen endlich Konsequenzen folgen und die Mächtigen zur Rechenschaft gezogen werden. Auch die Entscheidung eines US-Richters, eine Washingtoner Sklaverei-Ausstellung wiederherzustellen [US judge orders reinstatement of Washington slavery exhibit](https://www.dw.com/en/us-judge-orders-reinstatement-of-washington-slavery-exhibit/a-75997611?maca=en-rss-en-top-1022-rdf], zeigt, wie wichtig es ist, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Währenddessen kämpft Cem Özdemir in Deutschland um das Amt seines Lebens [Eine Aufholjagd gegen die eigene Partei: Cem Özdemir kämpft um das Amt seines Lebens](https://www.nzz.ch/international/gegen-die-eigene-partei-cem-oezdemir-kaempft-um-das-amt-seines-lebens-ld.1925222], und die Bilanz von Schwarz-Rot ist desaströs, mit Merz, der den Kanzlervergleich mit Scholz verliert [Katastrophale Zwischenbilanz nach einem Jahr Schwarz-Rot: Merz verliert Kanzlervergleich mit Scholz](https://www.nius.de/politik/news/katastrophale-zwischenbilanz-nach-einem-jahr-schwarz-rot-merz-verliert-kanzlervergleich-mit-scholz/377a79fb-1f98-44a4-bf91-9052838b1aec]. Es scheint, die politischen Eliten sind mehr mit sich selbst beschäftigt als mit den wirklichen Problemen.
Der Konservative:
„Rechenschaft“? Bei Epstein sind doch alle verstrickt, von links bis rechts. Die Anschuldigungen Clintons sind doch nur ein Ablenkungsmanöver, eine politisch motivierte Schlammschlacht, um vom eigenen Versagen abzulenken. Das ist die wahre Korruption: die gegenseitige Deckung. Und diese "historische Aufarbeitung" der Sklaverei-Ausstellung? Oft nur ein Vorwand für identitätspolitische Debatten, die spalten statt heilen. In Deutschland kämpfen die Eliten um Pfründe und Posten. Özdemir, Merz, Scholz – alles nur Marionettentheater, während die wirklich wichtigen Dinge auf der Strecke bleiben. Wahre Größe und Talent findet man doch eher bei jemandem wie Robert Duvall, der zu einem Hollywood-Giganten wurde [How Robert Duvall became a Hollywood great](https://www.bbc.com/news/articles/cv2grggdzweo?at_medium=RSS&at_campaign=rss], weil er Leistung zeigte, nicht weil er auf der richtigen Party war oder die richtige Agenda bedient hat.
Reflexion
Der Schlagabtausch verstummt, die Gedanken schweifen weiter. Es ist ein unaufhörlicher Kampf der Perspektiven, der sich in den Schlagzeilen widerspiegelt. Fakten und Interpretationen verschwimmen, jede Wahrheit hat ihre eigene Tönung, und die Welt dreht sich unerbittlich weiter, ungeachtet unserer intellektuellen Gefechte. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Weltgeschehen selten einfach ist und die Antworten noch seltener.
Ausgewählte Themen:
Geopolitik
Medienvertrauen
Gesellschaftspolitik
Eliteversagen