Ja leider. Es ist ein Riesenthema, auch wenn die Islamfrage sich in den Meldungen wieder langsam nach oben drängelt. Der Spiegel hat in seiner Onlineausgabe Weisheiten zu den Kosten von Stuttgart 21 veröffentlicht und wie man hier sehen kann, wird sich die Meute auf die “neuen Informationen” hetzen. Hier ist nun meine Meinung:
Sparvorschläge existieren nur auf dem Papier
Auf Basis einer “Markt– und Vergabeanalyse”, bei der die Stuttgarter Pläne mit anderen Tunnelbauten des Konzerns abgeglichen wurden, dürfe man beispielsweise 598 Millionen Euro herausstreichen.
Der SpON meldet also, die Bahn habe Kosten anderer Projekte zum Vergleich hinzugezogen. Die Bahn? Ausgerechnet die, bei der ja sowieso alles immer teurer wird? Ja, tatsächlich. Ja ist es denn nun plausibel teurere Vergleichskosten heranzuziehen? Eigentlich schon…oder hätten die billigere Kosten einsetzen sollen?
Weitere 294 Millionen an Einsparungsmöglichkeiten hat die Bahn bei der “Optimierung der Bauwerke” identifiziert. Ein “geringerer als angenommener Quelldruck” in den unterirdischen Streckenteilen habe zudem “Auswirkung auf die benötigte Stahlmenge in den betroffenen Tunnelbauwerken”. Das heißt: Deren Wände könnten einfach dünner gebaut werden. So brauchte man weniger teuren Stahl. Und das “ohne Beeinträchtigung der Qualität und Sicherheit”, versicherten die Planer.
Da schreibt der SpON Blödsinn: die Stahlmenge wird reduziert nicht die Wandstärke. Das steht sogar im gleichen Text. Verstanden haben sie es anscheinend nicht. Spricht sehr für die Qualität des Artikels.
Eine formidable Streichliste also. Ihr Schönheitsfehler: Die Sparvorschläge existieren nur auf dem Papier.
Nun werd ich aus meiner Erfahrung mit der Kostensteuerung von Bauprojekten langsam nervös und beginne auf meinem Sessel rumzurutschen. Schlecht für meine Hose.
Das tun Sparvorschläge und Einsparpotentiale immer! Was bitte soll diese Formulierung bedeuten, außer dem Wunsch beim Leser die Interpretation “die Sparvorschläge gibt es nicht in Wirklichkeit!” zu erzeugen; Der SpON Bericht erwähnt doch eindeutig den “geringeren als angenommenen Quelldruck” und die damit zusammenhängende Einsparung an Bewehrungsstahl. Eine vorsichtige Planung führte durch günstigere Realität zu Einsparung. Was soll daran problematisch sein, außer man schenkt den Zahlen — dann aber ohne faktische Zusammenhänge zu liefern, also durch Polemisierung — keinen Glauben.
Zum einen wurden sie “ohne vertiefte Planung abgeschätzt”, wie die Bahn in der Auflistung einräumt. Zum anderen sind “zur Realisierung dieser Punkte zum Teil die Zustimmung des Eisenbahnbundesamtes, der Architekten, der Projektplaner, der Bauherren und Gutachter notwendig”.
Selbstverständlich bedeuten Änderungen in der Kosten– und Entwurfsplanung insofern sie EBA-relevante Kriterien enthalten eine erneute Prüfung und Zustimmung. Entschuldigung, aber man kann anhand einer Statischen Berechnung die Stahlmengenersparnisse völlig ohne “vertiefte Planung” abschätzen. Das tut man ja auch bei anderen Baumaßnahmen. Das Statik und Entwurf entsprechend angepasst werden müssen ist doch logisch und üblich. Ich verstehe den Hintergrund dieser Aussagen des SpON nicht, außer wieder Polemik und fehlender Sachverstand.
Soll heißen: Für keine der Änderungen ist bislang eine Genehmigung erteilt worden. Auf Nachfrage musste die Bahn vergangenen Donnerstag gar erklären, dass entsprechende Anträge, etwa beim Eisenbahnbundesamt, überhaupt noch nicht gestellt wurden. Bis jetzt seien “noch keine Aufträge für den Tunnelbau vergeben worden, entsprechend gibt es auch noch keine Ausführungsplanungen”. Ein konkreter Zeitpunkt für die Vergabe könne derzeit nicht genannt werden, sagte eine Sprecherin, anvisiert sei 2011.
Auch hier wird wieder etwas so dargestellt, als liefe es aus dem Ruder. Fakt ist: Ausführungspläne werden durch den Auftragnehmer erstellt und können erst dann durch das EBA geprüft und freigegeben werden. Die bisherige Terminisierung der einzelnen Planfeststellungsabschnitte könnte zum Beispiel dazu führen, dass Anträge eben noch nicht eingereicht wurden. Vielleicht eben auch, weil es noch Kostenveränderungen durch neuere Erkenntnisse (die sich im Planungsverlauf jedes Projektes eben auch verändern) gibt und die Bahn nicht wider besserem Willen Anträge an das EBA stellt (was personell sowieso unterbesetzt ist). Aus dieser Sichtweise lese ich leider keinen Artikel in den Medien!
Nützlich erscheint ein Vergleich der neu heruntergerechneten Kosten für Stuttgart 21 mit jüngsten Tunnelbauprojekten der Bahn: So wird etwa der Citytunnel Leipzig rund 900 statt der angestrebten 572 Millionen Euro kosten. Dabei misst der Bau gerade mal 4010 Meter, in Stuttgart sind allein in der Stadt 33 Kilometer Tunnel in zum Teil schwierigstem Gestein zu graben. Doch die Bahn besteht darauf, dass die Projekte nicht miteinander verglichen werden könnten.
Auch da wird wieder polemisch vermischt was nicht vermischbar ist. Hier sollte der SpON prüfen welcher Baugrund beim Leipziger Tunnel vorhanden ist und ob die dort ausgeführten Maßnahmen mit den geplanten bei S21 zusammenpassen. Das der SpON das nicht will oder kann, macht dieser Artikel vom SpON ja mehr als deutlich.
“Wenn diese Einsparungen nicht realisierbar sind, hat die Bahn ein dickes Problem”, warnt der Bundestagsabgeordnete Uwe Beckmeyer. Der Sozialdemokrat aus Bremen beklagt bei dem Schienenkonzern “einen Rückfall in alte kommunikative Muster jenseits von Transparenz und Dialogbereitschaft”.
Wenn Einsparungen nicht realisierbar sind hat jeder der baut ein Problem. Eine wichtige Weisheit, auf die uns der Bundestagsabgeordnete Beckmeyer, SPD dort hinweist. Den Spruch kann er sich sparen. Warum Beckmeyer von den vorgenannten Dingen auf einen Rückfall in alte kommunikative Muster verfällt, lässt sich aus den hinterfragten Informationen des Artikels auch nicht nachvollziehen. Ich denke es geht ihm, wie den Grünen um Wählerstimmen. Deswegen schließt er sich dem Unsinn der so verbreitet wird und bei konkreten Antworten keinen Bestand hat an.
“Der Aufsichtsrat der Bahn hätte diesen Kalkulationen niemals zustimmen dürfen, ohne Belege dafür einzufordern”, sagt der Grünen-Politiker Winfried Hermann.
Auch dieser Satz klingt sehr lustig. Zeigt er doch auf, dass Hermann überhaupt nicht weiß, wovon der denn da redet. Die Zahlen wurden anhand vergleichender Maßnahmen hinzugezogen und die Anpassungen an den Bestandsdaten (Quelldruck, s.o.) ergeben neue Zahlen. Was für Belege meint er? Einen Lieferschein? Einen Parkplatzzettel? Einen Kontoauszug?
Nun, wie ich meine, wer bei Psychologen und Betriebswirten ohne Ingenieur– und Sachverständigennachweis sogenannte Gutachten einkauft um Planungen von werkvertraglich gebundenen und verpflichteten Planungs-Ingenieurbüros in Frage zu stellen und diese Gutachter selbst weder jemals etwas gebaut noch etwas haben bauen lassen, dem vermag ich keine Seriösität in seinen Aussagen abringen.
Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag hat in der vergangenen Woche in einer parlamentarischen Anfrage der Bundesregierung 59 Fragen zu Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm gestellt. Er sorgt sich um die Sicherheit der Tunnelbauten vor allem bei dünneren Wänden.
Auch hier versteht der Grüne nicht, was der SpON schon nicht kapiert hat: weniger Stahl heißt nicht dünnere Wände. Laiengremien gehen mir tierisch auf den Senkel vor allem wenn sie Stimmung machen können.
“Wir sollen sichere Tunnel bauen, aber keine Bunker”, begegnet Bahn-Vorstand Grube solchen Bedenken selbstbewusst. In puncto Sicherheit gäbe es für ihn “keinen Zehntelmillimeter Spielraum”.
Keine Bunker deswegen, weil alle meckern es sei ja so teuer, aber die Bahn trotzdem nichts in zu dicken Wänden zu verschenken hat. Der SpON sollte einfach mal einen Tragwerksplaner fragen und keine Pseudofachleute.
Dass das Eisenbahnbundesamt der technischen Abrüstung von Stuttgart 21 einen Persilschein ausstellt, ist nicht zu erwarten. Bei einem Teilstück, dem knapp zehn Kilometer langen Fildertunnel, forderte das Amt die Bahn bereits zu teuren Nachbesserungen auf. Demnach muss der Bauherr nun alle 500 Meter Rettungsstollen zwischen den Tunnelröhren anlegen — statt wie geplant alle 1000 Meter.
Ob und inwiefern das EBA als prüfende und genehmigende Behörde sich durch den medialen Druck nun nicht mehr bereit erklärt völlig übliche Ausnahmeregelungen einzugestehen kann ich nicht sagen. Aber diese falschen polemischen Fehlinformationen der Presse führen eben auch dazu, dass das Projekt teurer wird. Das schreibt aber niemand! Unabhängig davon wäre noch wichtig herauszufinden, ob die Verkürzung der Rettungsstollenabstände eine aktualisierte Auflage der Gesetzgebung ist. Interessant ist auf jeden Fall auch, dass sich der Artikel hier — wie immer — auf den 9,9 km langen Fildertunnel bezieht und nicht auf die restlichen Tunnel der Strecke. In diesem Fildertunnel ist auch die Falschinformation zu den 4,05m _Durchmesser (sic!) aufgefallen, ebenso wie die falschen Behauptungen, es gäbe keine Oberleitung und keine Leit und Sicherungstechnik.
Quellen hier: PFA Fildertunnel: http://www.das-neue-herz-europas.de/…/2005_Planfeststellungsbeschluss-Abschnitt_1.2-Fildertunnel.pdf
Verwendete Leit und Sicherungstechnik im deutsch-europäischen Kontext:
1. http://eisenbahn.wikia.com/wiki/Schnellfahrstrecke