…wird diesmal ein “Ossi” werden. Wahrscheinlich eine Frau. Vorschläge nehme ich gerne entgegen. Wulff war schon immer der Falsche.
Archive for the ‘heuchelei’ tag
Schwarmintelligenz reloaded: Koch-Mehrin (und andere) unter der Lupe
Gegen Silvana Koch-Mehrin sei am Montag von Amts wegen ein Vorprüfungsverfahren wegen Verdachts auf Urheberrechtsverletzungen eingeleitet worden.
Über diese Dame hatte ich bereits geschrieben. Auch andere Blogs hatten sich mit Ihr beschäftigt. Insgesamt ergibt sich kein sehr angenehmes Bild.
Alternativlos: Neuer Ministerpräsident in Baden-Württemberg: made in Japan
Die Bürger Baden-Württembergs haben gewählt. Wir können froh sein, immerhin gab es nur eine klitzekleine Randale am Stuttgarter Bahnhof, was da wohl los gewesen wäre, wenn Mappus noch ein paar Stimmen mehr bekommen hätte. Ich will ja gern an ein vor Japan noch angedachtes Schwarz-Rot im Ländle glauben, aber das scheint nun alles vorbei zu sein. Feynsinn hat es gut erklärt:
Mein Pustefix reicht aus für eine mehrstündige Rede und zwei Dutzend Interviews. Fragen Sie, was Sie wollen, wir haben immer recht, wir haben immer Erfolg, und wenn sich der politische Konkurs so gar nicht mehr verschleppen lässt, sind die widrigen Umstände daran schuld. Wir wissen alle, dass die anderen auch nicht besser sind und warten einfach ab, bis die Wähler von den anderen so angeekelt sind, dass sie wieder uns wählen. Bis dahin halten wir obszön dotierte Vorträge und sammeln Parteispenden. In der bittersten Not schmeckt der teure alte Wein auch ohne Regierungsamt oder Abgeordnetenstatus.
Zwischenzeitlich ist der Multiplikator Gandolf Stocker zurückgetreten, die Wahlkampfpropaganda der Grünen wird medial auf einmal auch thematisiert, und der Bundesverkehrsminister bietet schonmal eine elegante Steilvorlage für den neuen MP Kretschmann an: zum einen dürfen die Grünen jetzt Gas geben, weil sonst die ganze Kohle weg ist, zum andern dürfen sie sich — um bei Feynsinns Worten zu bleiben — mit den “widrigen Umständen” der Vorgänger herauslavieren. Read the rest of this entry »
Libyen: historische Zusammenhänge und mögliche Strategien
Ein Kommentar von Hans Hütt bei weissgarnix.de hat mich auf eine Idee gebracht. Bei Jens Berger läuft ein “open thread” zu dem Thema, und der Herr Strobl verlinkt das auch des Öfteren mal, also hab ich mir erlaubt meinen Kommentar dort hier zu einem separaten Artikel aufzubereiten:
Erläuternd will ich dazu erklären, dass ich 1976 arbeitsbedingt durch meinen Vater in Libyen gelebt habe und dort in Benghazi eingeschult wurde.
Aus meinen sehr deutlichen Erinnerungen weiss ich, dass Ghaddafi sehr wohl gefürchtet war und sein Polizeisystem auch verdammt schnell reagierte: mein kindlicher Kommentar “Ghaddafi mush quois” in einem öffentlichen Bus führte zu schwerer Schelte des ägyptischen Fahrers, der erläuterte dass auch Kinder “mal eben eingebuchtet würden”, und fotografische Aktionen Infrastruktureller Bauwerke (in dem Fall einer Brücke) führten unweigerlich zur Abgabe des Fotomaterials bei den innerhalb weniger Minuten erschienenen Polizisten (am Arsch der Welt, wo man nicht ansatzweise erkennen konnte, ob da überhaupt jemand war). Dennoch wurde meine Verletzung fachgerecht durch eine Ostdeutsche Ärztin in Benghazi versorgt.
Alles in allem haben Libyer nicht sonderlich gearbeitet sondern dies durch Ausländer erledigen lassen, Ägypter, Palästinenser usw.; Nebenbei wurden wir als blonde Europäer sowohl mit Steinen beworfen, als auch sehr freundlich behandelt. Dass Europa und das islamische Libyen der 70er ein Kulturschock waren wurde deutlich, wenn man sah, wie Libysche Männer auf den Nachbardächern masturbierend in die hinter Mauern liegenden Gärten glotzten und dort die sich dämlicherweise bräunende Europäerinnen anschauten. Nachdem man das den Frauen klargemacht hatte, kamen solche Peinlichkeiten nicht mehr vor. Immerhin waren wir da die Gäste.
Um die Situation — vielleicht — besser zu verstehen sollte man sich — nicht nur hier — immer den historischen Hintergrund ansehen. Auch geographische Ungenauigkeiten können zur Verwirrung führen, und deswegen ist es auch schon ein Unterschied, wenn man Libyen mit der Cyrenaika gleichsetzt. Die Cyrenaika ist der östliche Teil und Benghazi knappe 1000 Kilometer von Tripolitaniens Tripolis entfernt. Read the rest of this entry »
Der “Causa-Guttenberg” Kettenbrief
Gestern bekam ich eine sogenannte Kettenbrief-Email. Da ging es mal wieder um die Benzinkosten und wie man die “Ölmultis” dazu zwingen könnte die Preise runterzufahren. Ich hab die Email natürlich nicht weitergeleitet, aber mir ist irgendwie eine Parallelität zur aktuellen “Causa-Guttenberg”-Debatte — vornehmlich im Internet und mal kurz im Bundestag aufgefallen:
Jetzt hat der Spiegelfechter, Jens Berger, in einem aktuellen Artikel dargestellt, dass es — mal wieder — ein Skandal sei, dass das Verteidigungsministerium über BILD und Bild am Sonntag (aka Springer-Verlag) Werbeanzeigen für die Bundeswehr schalten wolle. Jens Berger — und mittlerweile die Welle der Netzempörung — betrachten dies — wie vieles andere — als erneuten skandalösen Beweis für
Unredlichkeiten, Korruptionen, Berlusconisierungen,
und was nicht alles. Diesmal muss…es…doch…einfach…klappen…mit…dem…Skandal! Read the rest of this entry »
Libyen: Schlüsselrolle im nahen Osten, Meilenstein zwischen Krieg und Frieden
…auch wenn Libyen natürlich in Nordafrika liegt, aber die Nähe zu Ägypten, Suezkanal und Israel — um die geographische Lage zu beschreiben — und Libyens Rolle im globalen Spiel der Versorgungssicherung westlicher Gesellschaften in strategischer Hinsicht, verbinden dieses Land unweigerlich mit dem nahen Osten.
Die Financial Times Deutschland haben eine Analyse in diesem Artikel gut begonnen:
[…] ein […] Gaddafi dürfte sich wenig scheren um die Einwände […] im Norden. Zumal diese sich auch bislang wenig interessiert haben für die Not der Bevölkerung. Libyen war vor allem als Rohstofflieferant wichtig, als Sicherheitsgarant und als Bollwerk gegen Flüchtlinge aus Afrika.
Will die EU glaubwürdig sein, darf nicht mehr allein dies ihr Handeln bestimmen. Dann muss Demokratisierung künftig klarer Bestandteil europäischer Interessenpolitik sein — auch wenn es ungemütlich wird.
Der Westen hat genügend Probleme sich seine Vormachtstellung, zur Sicherung der eigenen hohen Lebensqualität, auf gut deutsch: seiner Friedenssituation (oder noch besser die Abwesenheit von Krieg) im globalen Kampf mit China zu sichern.
Die Demokratisierungswelle in Nordafrika wird in Libyen meiner Ansicht nach nicht zum Erfolg führen. Ich meine, tatsächlich ist der Umbruch in Nordafrika ein historischer Moment, aber wohl keiner, der mit der Deutschen Wende vergleichbar ist, sondern einer, der als Meilenstein im Wandel des Friedenszustands der westlichen Gesellschaften in die Geschichtsbücher eingehen wird.
Wie so oft wünsche ich mir ich würde mich vollkommen täuschen.
[Update]: tatsächlich kann ich es auch nicht besser schreiben, als dieser Kommentar hier:
vergesst einfach eure heile-welt-träume. die wohlstandsblase plus aller damit assoziierten lebensentwürfe und illusionen, in der die generationen von ca mitte der 1960er bis etwa 1980 hierzulande aufgewachsen sind (und ich gehöre dazu), ist längst geplatzt und wir werden sehr bald und schneller als gedacht immer mehr bekanntschaft mit den realitäten machen, mit denen die absolute mehrheit der weltbevölkerung schon immer und ständig konfrontiert ist. auch eine art ausgleichende gerechtigkeit…
[Update2] hier ein wenig über die Kinder von Ghaddafi und über ihn selbst.
[Update3] der Feynsinn hat in diesem Beitrag sehr gut die potentiellen Alternativen dargestellt.
The inconvenient truth about Doktorarbeiten
Tja, was ist das eigentlich? So eine Doktorarbeit? Wenn man mal den interessanten Teil aus der Wiki anschaut:
Für Gliederung, Zitate anderer Arbeiten und den formalen Nachweis der Selbständigkeit sind gewisse Formen üblich oder in der Promotionsordnung der Fakultät bzw. des Fachbereichs vorgeschrieben. Betrug (etwa durch Hinzuziehung eines Ghostwriters), ein nachgewiesenes Plagiat oder die auszugsweise Übernahme fremder Texte ohne Quellenangabe kann auch noch im Nachhinein zur Aberkennung des Doktorgrades und ggf. zu strafrechtlichen Konsequenzen führen.
wird klar worum es mal grundsätzlich geht:
“(1) Die Dissertation muß eine selbständige wissenschaftliche Leistung darstellen und zur
Lösung wissenschaftlicher Fragen beitragen. Sie soll zu neuen wissenschaftlichen
Erkenntnissen führen. Die Arbeit wird in der Regel von einer prüfungsberechtigten Person
betreut (Doktoranden– Verhältnis).”“Die benutzte Literatur und sonstige Hilfsquellen sind vollständig anzugeben; wörtlich oder nahezu wörtlich dem Schrifttum entnommene Stellen sind kenntlich zu machen.”
Bisher noch ohne Nachweis, aber interessant folgender Hinweis in diesem Forum:
Da er offenbar alle Texte im Literaturverzeichnis angegeben hat, wird das vermutlich als Ungenauigkeit durchgehen,
Aktuell wird unser Verteidigungsminister hämisch gebasht weil er wohl eine ganze Menge Text von anderen Verfassern verwendet haben soll, ohne diese als solche zu zitieren.
Während dessen die heulende Horde sich noch echauffiert, dass er “abgeschrieben” hat, haben zumindest einige soviel Restverstand, dass sie auf den kleinen Umstand “ohne zu zitieren” noch ein wenig hinweisen.
Man sollte also erst mal ein wenig heiße Luft aus der Hysterie herausnehmen und einfach mal verstehen, dass in Doktor– und Diplomarbeiten selbstverständlich abgeschrieben wird und das nicht mal allzu knapp. Bei manchen Doktorvätern steht und fällt die Note nämlich auch mit der Anzahl der Quellen die zitiert werden. Je weniger Quellmaterial der Doktorand verwendet, je weniger umfangreich war sein “Weg durch die wissenschaftliche Literatur”. Read the rest of this entry »
Schweinegrippe, die nächste Runde
Und es geht wieder los: diesmal ist der mediale Druck deutlich höher, der panikaktivierende Anteil größer.
In der ersten Januarwoche gab es 39 Infektionen mit dem H1N1-Virus — der höchste Wert seit Oktober.
Also hatten wir keine höheren Zahlen in den Wintermonaten dazwischen. Klingt für mich erstmal beruhigend.
Insgesamt seien in der laufenden Grippesaison 204 Infektionen mit dem H1N1-Virus gemeldet worden
Heidernei, und jetzt kommt das “aber unsere Kinder!”-Argument:
Diesen Verdacht bestätigte auch Lothar Maurer vom Landesverband der Kinder– und Jugendärzte (Frankenthal). Nach Angaben der Gesundheitsämter gibt es bisher 13 Grippefälle bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren. Maurer hat seit der vergangenen Woche bereits 20 Grippefälle gemeldet, von denen sich 80 Prozent als H1N1– Infektionen bestätigt haben.
„Es sind nur etwa zehn Prozent, die es richtig schwer erwischt“, sagt Maurer. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“. Viele Kinder zeigten lediglich leichte Symptome wie Schnupfen und würden von ihren Eltern in die Schule oder den Kindergarten geschickt. Deswegen verbreite sich die Schweinegrippe auch so schnell.
Dieses Jahr kriegen die uns! Ich bleib trotzdem bei meiner Meinung: Panikmache! Diese Argumente hier gelten weiterhin.
Das Gute oder “grün”…auf polemische Weise
beschrieben. Auszüge aus einem Artikel im Cicero (der wohl öfter gute Artikel bringt — recht ambivalent teilweise, ich kann nicht jeden gutheissen, diesen hier aber schon):
Das Gute hat Renate Künast sozusagen gepachtet. Denn sie ist ja Grüne.
…
Heute, mit dem Auto, wenn es sich flüssig fährt und ohne Übertretung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit, in 45 Minuten. Mit dem öffentlichen Verkehr sind es bis zu 120 Minuten. Zwei Stunden: Geht doch, oder?
…
So sieht sie also aus, die konkrete Welt gemäß der abstrakten Moral von Renate Künast. So sieht das Schlechte vom Guten aus, das sie verkörpert, das die Grünen überhaupt und derzeit mit großem Erfolg verkörpern. In Berlin hat die grüne Laissez-faire-Ideologie ganze Städte für deutsche Normalbürger zum Sperrgebiet gemacht. Read the rest of this entry »
Stuttgart 21: den Alphablogs gehen die Argumente aus
Wenn NDS und Fefe ein provinzielles Lokalblögchen verlinken um auch den letzten zusammenkonstruierten Gedankenfurz gegen Stuttgart 21 zu präsentieren, weiss ich, dass denen die Argumente ausgehen. Hintergrund ist eine Aussage des CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden, der bei einem Rentnertreff in Hirschberg an der Bergstrasse ein paar alten Leutchen den üblichen Zielgruppenblödsinn verzapft hat.
Dumm, wenn da ein Blogger drinsitzt, der sich jetzt über Äußerungen wie “ob Stuttgart 21 10 oder 15 Milliarden kosten kann Baden-Württemberg wurscht sein” freuen kann. Immerhin hat er nun sicher den höchsten Traffic aller Zeiten.
Merksatz: jeder Satz und alles was möglich ist wird in S21-Shitstormargumente umgemünzt. Weder liefern die Gegner Alternativen noch interessiert sie irgendein belastbares Argument. Das ist ein übergroßes Fußballspiel, wo jeder der beste Schiedsrichter sein möchte. Und überhaupt ist sein Verein ja immer der Beste. Und die Bahn ist eben “Establishment”. Ja, so ist das eben.
Ach so: ich zitiere in diesem Zusammenhang mal Fefe und streiche etwas raus:
Es gibt da ja dieses spannende psychologische Phänomen namens Kognitive Dissonanz. Wenn man ein Weltbild hat, und dann die Realität nicht mit dem Weltbild übereinstimmt, dann fängt das Gehirn an, sich immer absurdere Theorien zurechtzulegen, um das in Einklang zu bringen. Deshalb ist es in Situationen wie jetzt mit S21 immer sehr unterhaltsam, sich typische CDU-Politiker Projektgegner anzuhören. Man muss da gar nichts sagen, man muss die einfach reden lassen, denn die haben nämlich gerade diesen Effekt live und in Farbe und haben einen Mitteilungsdrang mit ihren abstrusen Theorien, weil sie ja nicht nur den anderen sondern vor allem sich selbst einreden wollen, dass ihr Weltbild so völlig abwegig ist, wie es gerade für alle Beobachten offensichtlich geworden ist.
Das passt komischerweise genau. Ich les Fefe gern und auch die NDS sind mir lieb und wichtig. Aber was da grade an Rattenfängerei abgeht macht mir keinen Spass mehr. Aber wie gesagt: viel fällt denen wohl auch nicht mehr ein.
