Prof. Stefan Faiß,seit 1998 Mitglied bei Bündnis90/Die Grünen und bis vorkurzem Mitglied im Vorstand desKreisverbandes Esslingen, war dort unter anderem für Verkehrspolitik zuständig. Stefan Faiß setzt sich seit langem für Stuttgart 21 ein. Ein Gespräch mit ihm über seine Motive. Read the rest of this entry »
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Stuttgart 21 und worum gehts hier eigentlich?
Ach herrje, da ist ja mal wieder was los. In diesen Tagen protestieren viele Menschen gegen das Projekt Stuttgart 21. Nun, es protestieren viele Menschen. Jetzt meine ich aber mal, dass diese vielen Menschen ja nicht unbedingt gegen _das Projekt_ protestieren, sondern gegen viele andere Dinge. Gegen Korruption. Gegen Staatsgewalt. Gegen fehlende Demokratie. Gegen Schmutz und Feinstaub. Für eine bessere Welt. Gegen Rechts. Für die Linken. Für die Grünen. Gegen Hartz IV, Gegen 5 Euro, Gegen Internetzensur, gegen die HRE, Für ein anderes Konzept. Für eine andere Verteilung des Geldes. Gegen Studiengebühren. Gegen die Bankenkrise. Für den Juchtenkäfer…usw…usf. Und stellvertretend hierfür wird gegen S21 protestiert.
Und scheisse ja, es ist ein Wust an Meinungen und Philosophien die sich dort treffen. Zum einen angepisste Bewohner, die merken dass da vielleicht doch noch was geht und dem Zug in die unbegrenzten Möglichkeiten nochmal zusteigen wollen…
…oder es nutzen alle Interessenten überall im Land die jeweilige Stimmung aus, um den eigenen — bisher wohl verloreneren Posten — ein wenig aufzubessern.
Sei es nun, indem sie als Opposition gegen die Regierungspartei anstinken, sei es, dass sie sich noch ein Stückchen vom fetten Bundesbudgetkuchen abgreifen wollen.
So wünscht sich Heidelberg seine ICE Strecke, genauso wie Bensheim und Darmstadt. Jeder dahergelaufene Lokaltölpel verarscht die Wähler darüber, wie “wichtig für den infrakstrukturellen Fortschritt” ausgerechnet ihres Bauerndorfes diese Maßnahme wäre. Und klar, wer den wählt, dem legt Grube sein ICE Bahngleis direkt neben die Pferdescheuer.
Und sowas kotzt mich eben an. Ja, es kotzt mich an, weil Dinge wie damals die Sache mit BP, oder hier beim Feynsinn und der “Geheimrätin” zu gar nichts führen, weil die Leute in den Blogs meiner Erfahrung nach zwar alle wütends schimpfen aber dann wenns drum geht, sowas von Stille sind und den Schwanz einziehen. Ne feige Bande eben, genauso hohl und leer wie der Rest des dummen Wählervolkes. Regt sich ewig auf, schreibt und beschwert sich gegen leere Wände. Versteht aber nicht das System und sich darin einzubringen. Pariert nicht an den Stellen die taktisch sinnvoll sind. Zerfleddert sich in Einzelmeinungen: hier der Leninist, dort der Marxist, da ein Grünfinkenfreund, hier der Vollkornbäcker.
Zeitweise könnt sich mir das Hirn verdrehn, wenn sich in den Diskussionen im Netz allenthalben ständig neue Fässer öffnen. Dann kriechen wieder die Gesamt-Gesellschafts-Infragesteller aus ihren dreckigen Löchern und ballern ihren Philosophischen Schmonzes raus.
Glaubt Ihr ernsthaft dass das
- a. jemand liest und
- b. jemand versteht und
- c. jemanden interessiert?
wie ungeschickt muss man denn sein, wenn man was ändern will ausgerechnet die Leute vollzusabbeln und vom Volk einen kognitiven Sprint zu verlangen, den Hans und Franz im Leben nie nicht erbringen zu sein jemals in der Lage sein werden und erst recht nicht wollen? Die muss man sich anders kaufen! So wie die Politiker. G’schichten erzähln. Fußballergebnisse und Trainerstories.…traatsch und klatsch und böses Ausland und andere Kulturen, kapiern wir nicht und wolln wir nicht und überhaupt. Zwischenzeitlich war ein Event von Attac in Frankfurt wegen der Sache mit der Bankenkrise und den Medien wars ein Augenschlag wert. Lohnt sich ja auch nicht, weil sich alle Protestler ausgerechnet beim Fällen von Bäumen addieren. Als ich im Radio diese betroffenen Leute gehört hab, wie sie sich — situationsbedingt völlig aufgebracht — heulend über das böse Maschinending da beschwerten und dass sie “sowas schlimmesnoch nie erlebt” hätten, ja da musste ich fast selber weinen.
edit: eine gewisse Menge gelöscht.
Also worum geht’s der langen Rede kurzer Sinn: ich reg mich über diese Heuchlerei auf. wie es ein Kommentar beim Spiegelfechter (link folgt unten) so gut rüberbringt:
Blacksky schrieb am 2. Oktober 2010Wo wart ihr braven Schwaben als es um Studiengebühren, Bankenrettungspaket, HartzIV. ging?
WO WART IHR?
Es hatte euch nicht die Bohne interessiert denn da haben langhaarige Bombenleger, Studentenköppe und Unterschichtler protestiert, das sind ja alles keine Menschen aus eurer Sicht.
Wenn ich heute was vom Protest der Mitte, der Gutbürgerlichen höre dann kann ich gar nicht soviel Fressen wie ich Kotzen möchte. Jetzt könnt ihr am eigene Leibe erfahren wie mies dieses Land geworden ist. Vorher habt ihr uns nur Verachtung entgegengebracht, den Studentenköppen, langhaarigen Bombenlegern und Unterschichtlern, für was für einen Mist demonstrieren die auch was geht mich das an der ich in meinem schönen Stuttgart wohne?
Das meine ich. Alle Meinungen finden zueinander, ein riesen Chaos, alle wollen Profitieren doch dem wahren Gedanken “die Dinge zu verbessern für das Volk” ist nicht geholfen. Wieder nur wollen Einzelne sich erhöhen und Vorteile ausarbeiten. Um “das Volk” geht es dabei keinem. Jeder nur für sich. Das ist ja das Fatale.
Wie sich sowas schriftlich äußert kann man hier zum Beispiel beim Spiegelfechter oder beim Feynsinn lesen. Kacke mann, ich ärger mich, dass ich da soviel in den Kommentaren geschrieben habe und das als einzige Doofnase die auch noch ausgerechnet bei der Bahn arbeitet und ja um Himmels Willen, auch noch genau in diesem Projekt.
Da steckt zum einen Pfeffer drin, weil ich mir selber einen riesen Ärger damit machen kann. Dabei ist es mir Wurscht, ob die nun S21, K21 oder die schwäbsche Bimmelbahn hinbaun wollen. Hauptsache ich hab G’schäft wie man so schön sagt. Eine Planveränderung freut ja meistens alle Beteiligten. Aber wem erzähl ich das.
PS: und wisst Ihr was? Im März 2011 wählt das Land trotzdem die CDU, weils bequemer ist und weil die Wirtschaft “kommt” wenn die CDU regiert. So sieht das aus. Und die Leute da — trotz all der bösen Baumfällmaschinen und dem bösen Pfefferspray — die wissen das. Die _arbeiten_ nämlich da. Und die wissen was es bedeuten würde, wenn es nicht die CDU wär…
aber dann..wär da unten gar nix mehr los. Weil Aufruhr gibts bei Hartz IVlern nicht.
#Blizzard verwirft die #Real_ID-Epicfail-Idee: Millionen jubeln
Wow ist ja auch ein Ausdruck ehrlicher Überraschung und Überwältigung. Wie ich gestern schrieb, drehte Blizzard mit seiner Realnamen-Facebook-macht-alles-besser-Philosophie zeitweise richtig ab und zog sich den überwältigenden Zorn der internationalen Wow-Gemeinde zu.
Heute gibt Blizzard in einem offenen Brief bekannt, dass die Realnamen-Geschichte nicht gemacht wird. Der gemeinsame öffentliche — schnelle — Druck der Leute über Blogs, Foren und dann die Holzmedien, ebenso wie sicherlich tausende gekündigte Abonnements (;-)) haben Blizz unglaublich schnell eines besseren belehrt.
Das beste Beispiel für die Notwendigkeit eines freien Internets.
Rette Deine Freiheit
Saugut! (Update: aus gegebenem Anlass bleibt dieser Beitrag bis zu den Wahlen ganz oben)
Freiheit statt Angst
http://netzpolitik.org/2009/freiheit-statt-angst-die-groesste-buergerrechts-demo-aller-zeiten-steht-bevor/ http://www.ccc.de/updates/2009/demo-berlin?language=en
“Auf die Straße: Für Freiheit, Demokratie und gegen Zensur!
September 05, 2009 (frankro) Der Überwachungs– und neuerdings auch Zensurwahn hat im Superwahljahr 2009 nicht nachgelassen. Der Chaos Computer Club (CCC) ruft daher gemeinsam mit dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung zur Teilnahme an der Großdemonstration “Freiheit statt Angst” am 12. September 2009 in Berlin auf. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Potsdamer Platz.
Wir denken: Es reicht nicht, darauf zu warten, dass das Bundesverfassungsgericht die hysterischen “Sicherheitspolitiker” vielleicht mal wieder zur Ordnung ruft. Es ist vielmehr Zeit, den in kollektiver Terrorpsychose verfangenen Politdarstellern zu zeigen, was wir von ihrer Seifenoper halten. Die Gelegenheit ist günstig, denn wir haben bald wieder die Wahl und müssen klarmachen, was unsere Prioritäten sind. Informationsfreiheit und digitale Bürgerrechte sind keine Selbstverständlichkeit mehr und brauchen daher eine starke Stimme auf der Straße, nicht nur im Netz.
Wir wissen: Demonstrieren macht sexy, verbessert die Muskulatur und schafft Möglichkeiten zur persönlichen unbelauschten Fraternisierung mit Gleichgesinnten. Deshalb: Bringt Eure tollen T-Shirts, Plakate, Oma, alle Euch bekannten Mobiltelefonbesitzer, freiheitsverliebte Nachbarinnen und Luftballons mit und kommt auf die Straße. Wir schreiben es den Internetausdruckern ins Stammbuch: Weniger Freiheit bringt uns nicht mehr Sicherheit, Stoppschilder retten kein Kind. ”
Ich wär je gern hin…geht Ihr wenigstens hin.
Demo in Berlin am 12 September
Hier bei Netzpolitik wird nochmal auf kommenden Samstag aufmerksam gemacht:
“Unterstützer: Es haben mittlerweile 163 Unterstützerorganisationen, –verbände, –bands, Firmen und Initiativen den Demo-Aufruf unterzeichnet. Das ist das breiteste Bündnis für Bürgerrechte und ein freies Internet und gegen Überwachung, das Deutschland je gesehen hat. Nach vorsichtigen Schätzungen repräsentieren diese Unterstützer mehr als drei Millionen Mitglieder (Doppelmitgliedschaften schon statistisch rausgerechnet), das ist mehr als die Summe aller Parteimitglieder der Großen Koalition und aller Mittel– und Kleinparteien zusammen. ”
Wie kann ein Journalist im Web Geld verdienen?
Hier: wird das Manifest nochmals diskutiert. Klingt sehr nach Insiderthema, aber nun will ich mir auch mal ein paar Gedanken machen:
Ich hab mit der Journaille nix am Hut, deswegen entschuldige ich mich hier für meine vielleicht abstrus-blöden Ideen:
Wie wär´s mit themenbezogener Vergütung? Beispiel: Trash-TV oder Beiträge zu Stars und Sternchen: wird über Werbung finanziert. Skandalaufdeckungen a la Watergate: über eine Tabelle (ähnlich HOAI bei den Architekten, oder der Brago bei den Anwälten), die die „Wirkung“ (demokratische Freiheit bewahren, Aufmerksamkeit wahren, Verbrechen verhindern, usw. usf.) definiert und daraus ein Honorar ableitet.
Bezahlt würde dies entweder vom Abnehmer (also Verleger, der sich wiederum z.B. über Werbung finanziert) oder vielleicht teilweise aus einer Stiftung (die wiederum themenspezifisch Ihre Finanzmittel verwaltet). Ggf. erhält diese Stiftung, wie ein Ministerium einen Anteil aus Steuergeldern, da sich ja die zu bezahlenden Produkte (Artikel) an deren gesellschaftlichem Wert festmachen lassen.
z.B.:
Stabilisierung der Bevölkerungsstimmung (in Bezug auf die Verfassung) Vereitelung von Kriminalität und somit Vermeidung/Minderung von finanziellem Schaden Lobbyorientierte Beeinflussung/Manipulation der öffentlichen Meinung (z.B. Unterstützung der Atomkraftlobby und somit deren wirtschaftlichen Erfolg, oder analog bei alternativen Energien) Unterhaltung zur Verblendung/Beruhigung der Bevölkerung zur Sicherstellung bestehender Machtverhältnisse (und somit deren wirtschaftlichen Erfolg)
Zur Ausarbeitung solch einer Honorartabelle müsste man sich wohl an die Leute halten, die sowas können
; Grundlage dafür wären z.B. Artikel aus der Vergangenheit sowie wissenschaftliche Methoden, deren Effekt in Geld umzurechnen (sowas wird’s doch sicher geben; ich weiß das aber nicht);
Ich glaube auch, dass so etwas einen starken Einfluss auf die Berichterstattung und die Gesellschaft an sich haben würde.
Abschließend: wie ich hier: http://allesunsinn.org/archives/581 schonmal skizziert habe, geht es um Inkorrumpierbarkeit. (falls es das Wort gibt). Ich meine: solange Geld mit Öffentlicher Meinungsbildung zu tun hat, können nur Medien, bzw. Informationen verwendbar sein, die sich nicht korrumpieren lassen (und dass können, meines eingeschränkten Wissens nach nur die Blogger in der Masse).
CDU liest Emails Ihrer Parteimitglieder
Lol-des-Tages. Die betrachten Emails zum einen als Postkarten, zum andern hat den Adressinhabern keiner gesagt, dass sie die Email überhaupt über die Fraktionsspitze laufen lassen. Und das schon seit einem Jahr!
Der Hebelarm der Blogger
Das ist der Erfolg des Bloggens und die Gefahr für die Politik: wir haben eine Stimme, die sich bis in die Öffentliche Meinung vervielfältigen kann.