alles Unsinn…ich bin müde

eigentlich war ich immer unpolitisch

Archive for the ‘dummheit’ tag

The inconvenient truth about Doktorarbeiten

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Tja, was ist das eigent­lich? So eine Dok­tor­ar­beit? Wenn man mal den inter­es­san­ten Teil aus der Wiki anschaut:

Für Glie­de­rung, Zitate ande­rer Arbei­ten und den for­ma­len Nach­weis der Selb­stän­dig­keit sind gewisse For­men üblich oder in der Pro­mo­ti­ons­ord­nung der Fakul­tät bzw. des Fach­be­reichs vor­ge­schrie­ben. Betrug (etwa durch Hin­zu­zie­hung eines Ghost­wri­ters), ein nach­ge­wie­se­nes Pla­giat oder die aus­zugs­weise Über­nahme frem­der Texte ohne Quel­len­an­gabe kann auch noch im Nach­hin­ein zur Aber­ken­nung des Dok­tor­gra­des und ggf. zu straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen führen.

wird klar worum es mal grund­sätz­lich geht:

(1) Die Dis­ser­ta­tion muß eine selb­stän­dige wis­sen­schaft­li­che Leis­tung dar­stel­len und zur
Lösung wis­sen­schaft­li­cher Fra­gen bei­tra­gen. Sie soll zu neuen wis­sen­schaft­li­chen
Erkennt­nis­sen füh­ren. Die Arbeit wird in der Regel von einer prü­fungs­be­rech­tig­ten Per­son
betreut (Dok­to­ran­den– Verhältnis).”

Die benutzte Lite­ra­tur und sons­tige Hilfs­quel­len sind voll­stän­dig anzu­ge­ben; wört­lich oder nahezu wört­lich dem Schrift­tum ent­nom­mene Stel­len sind kennt­lich zu machen.”

Bis­her noch ohne Nach­weis, aber inter­es­sant fol­gen­der Hin­weis in die­sem Forum:

Da er offen­bar alle Texte im Lite­ra­tur­ver­zeich­nis ange­ge­ben hat, wird das ver­mut­lich als Unge­nau­ig­keit durchgehen,

Aktu­ell wird unser Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter hämisch gebasht weil er wohl eine ganze Menge Text von ande­ren Ver­fas­sern ver­wen­det haben soll, ohne diese als sol­che zu zitieren.

Wäh­rend des­sen die heu­lende Horde sich noch echauf­fiert, dass er “abge­schrie­ben” hat, haben zumin­dest einige soviel Rest­ver­stand, dass sie auf den klei­nen Umstand “ohne zu zitie­ren” noch ein wenig hinweisen.

Man sollte also erst mal ein wenig heiße Luft aus der Hys­te­rie her­aus­neh­men und ein­fach mal ver­ste­hen, dass in Dok­tor– und Diplom­ar­bei­ten selbst­ver­ständ­lich abge­schrie­ben wird und das nicht mal allzu knapp. Bei man­chen Dok­tor­vä­tern steht und fällt die Note näm­lich auch mit der Anzahl der Quel­len die zitiert wer­den. Je weni­ger Quell­ma­te­rial der Dok­to­rand ver­wen­det, je weni­ger umfang­reich war sein “Weg durch die wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur”. Read the rest of this entry »

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Februar 17th, 2011 at 11:50 pm

Hartz 4 Spielchen

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Mit sol­chen Wahl­kampf­spie­le­reien sollte die Poli­tik uns nicht ärgern. Wer fällt denn noch dar­auf rein?

Würde die Oppo­si­tion diese Ver­bes­se­rung an der Schwei­ne­rei Hartz 4 akzep­tie­ren und wirk­li­che Alter­na­ti­ven auf­zei­gen, wür­den die auch Wahl­stim­men bekom­men. Die haben aber sel­ber keine, son­dern machen das, was Poli­ti­ker im All­ge­mei­nen immer tun: sich gegen­sei­tig mit Dreck bewer­fen und den schwar­zen Peter weitergeben.

Zudem soll es Zuschüsse für rund 2,5 Mil­lio­nen Kin­der aus Gering­ver­die­ner­fa­mi­lien für ein war­mes Mit­tag­es­sen, für Nach­hilfe und Ein­ta­ges­aus­flüge sowie für Ver­eine geben. Die Zustim­mung der Län­der dazu will die Koali­tion gewin­nen, indem sie die Kom­mu­nen in Mil­li­ar­den­höhe bei der Grund­si­che­rung im Alter entlastet.

Tja, eigent­lich schade, weil — trotz allem — die Betei­lig­ten jetzt erst­mal die­ses Wahl­kampf­schau­spiel abwar­ten müssen.

Ich seh das so wie Vol­ker Pis­pers, der meint mit Umver­tei­lung wäre viel getan: Gerechte Kran­ken­ver­si­che­rung, gerechte Ren­ten­ver­si­che­rung, gern noch ne Trans­ak­ti­ons­steuer und Weg­fall der Lohn­steu­er­be­mes­sungs­grenze (“breite Schul­tern tra­gen”) und schon wär vie­len geholfen.

Da muss man nicht mal Karl Marx aus­ru­fen, son­dern darf sei­nen Por­sche weiterfahren.

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Februar 9th, 2011 at 11:30 pm

Hat die Bahn zuwenig Platz für Blogger?

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Denkt sich zumin­dest Fefe heute. Er mokiert sich über eine eigent­lich gute Nach­richt - näm­lich die Moder­ni­sie­rung der ICE 2 Züge — und meint:

Man hat doch jetzt schon kaum Platz für das Abstel­len der Geräte!

Nun, viel­leicht hat er ja zuwe­nig Platz, nicht wahr?

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Februar 9th, 2011 at 8:00 pm

Die große Wikileaks-Blase?

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Im Stern (aus­ge­rech­net) gibt ein ehe­ma­li­ger Mit­strei­ter von Julian Ass­ange ein ver­nich­ten­des Inter­view zu Wiki­leaks.

Als gro­ßen Bluff schil­dert Domscheit-Berg frü­here Erfolge von Wiki­leaks: “Hätte die geg­ne­ri­sche Seite gewusst, dass wir nur zwei extrem groß­mäu­lige junge Män­ner mit einer ein­zi­gen Uralt-Maschine waren, hätte sie eine Chance gehabt, den Auf­stieg zu stop­pen.” Durch den Weg­gang des “Archi­tek­ten” sei die Enthüllungs-Plattform wie­der auf den alten tech­ni­schen Stand zurück­ge­setzt. Domscheit-Berg bezeich­net sie als ein “Chaos”, “stüm­per­haft zusam­men­ge­bas­tel­tes Zeug”, mit “wild wuchern­den Pro­grammei­len” und “viel zu angreifbar”.

Nun, ich hab von dem Thema die­ser Struk­tu­ren hin­ter Wiki­leaks keine Ahnung, aber ich habe ja schon ein paar­mal was zu Wiki­leaks geschrie­ben. Nun glaube ich dem Stern schon­mal gar nichts, immer­hin wurde dort genü­gend Blöd­sinn zu Stutt­gart 21 ver­zapft. Warum sollte also nun die­ses Käse­blatt nicht als Platt­form für einen per­sön­li­chen Rache­feld­zug eines ent­täusch­ten Nar­zis­sen ver­wen­det werden?

Ist mir eigent­lich auch egal.

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Februar 9th, 2011 at 6:00 pm

Stuttgart 21: Bauzaun Anekdote

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heute mor­gen 7.00 Uhr am Bau­zaun. Ein paar regen­schirm­be­waff­nete S-21 Con­tra­de­ros ste­hen vor der Bau­stel­len­ein­fahrt. Ich laufe — wie jeden Mor­gen, übri­gens schon seit vie­len Wochen — daran vor­bei. Ab und an packe ich mal mein Foto­handy raus und filme mei­nen Weg vor­bei an die­sem Standort.

Heute also laufe ich wie­der und filme, deut­lich sicht­bar. Ich höre eine weib­li­che Stimme:

was machen Sie denn dann mit dem Film anschließend?”

und nach einer Sekunde Pause:

heute abend vorm Fern­se­her anschauen, oder was?”

Zwi­schen­zeit­lich höre ich aus der Gruppe eine männ­li­che Stimme:

Kamera her! Sofort Kamera her!”

Ich wußte wirk­lich nicht, was ich da ant­wor­ten sollte. Die sind doch eben dort _damit_ sie media­len Ein­druck machen, oder hab ich das falsch verstanden?

Wir leben zur Zeit übri­gens in einem his­to­ri­schen Moment des Wan­dels wie ich meine. Da gehört S21 nun auch mit dazu. Lei­der hab ich 1990 ver­säumt ein paar Jahre nach Ber­lin zu gehen und die Wen­de­zeit mit­zu­ma­chen. Ich habe nur selbst erlebt, als von heute auf mor­gen unsere Kaserne in Nord­hes­sen geöff­net wurde, um dut­zende Trab­bis und Wart­burgs rein­zu­las­sen. Das war auch so ein his­to­ri­scher Moment (wie man heute erst recht weiss).

Dies­mal will ich ein paar Film­chen und Fotos machen, damit ich das spä­ter mal den Enkeln erzäh­len kann. Das ist eigent­lich schon alles.

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Januar 13th, 2011 at 11:29 am

Pöse Bauwirtschaft

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Was so bei den Google-News alles auf­taucht, ts ts. Ein “Bau­lei­ter” hat in Ham­burg soll doch echt 10 Bäume abge­sägt haben um ein Grund­stück im Wert zu stei­gern. Die Staats­an­walt­schaft hat dann mal eben die rest­li­chen unver­kauf­ten Woh­nun­gen geblockt:

Aus­ge­rech­net die­ser Mann, diese auf­fäl­lig gepflegte Erschei­nung mit den glän­zen­den Schu­hen zum fei­nen Sakko, zurück­ge­gel­ten Haa­ren und einem Sie­gel­ring am Finger.

Also, Bau­lei­ter sehen anders aus.

Sollte der 57-Jährige jedoch rechts­kräf­tig frei­ge­spro­chen und die Arrest­hy­po­thek wie­der auf­ge­ho­ben wer­den, so Bli­wier, werde er die Stadt in Regress neh­men. Der Pro­zess wird am 31. Januar fort­ge­setzt.

Das glaub ich aber erst­mal nicht. Bei Welt Online wirkt die Infor­ma­tion schon anders:

Es war ein gemei­ner Baum­fre­vel: Im ers­ten Halb­jahr 2008 wur­den wert­volle Bäume am Elb­hang des Sven-Simon-Parks gefällt.

Ein­deu­tig iden­ti­fi­zie­ren konnte sie den Bau­lei­ter aber nicht.

Da war das also 2008. Und bei Welt-Online konnte sie ihn nicht erken­nen. Qualitätsjournalismus.

Warum mich das inter­es­siert? Weil so ein Klein­scheiss viel­leicht ne Mel­dung wert ist, aber nicht auf Google News Seite Eins erschei­nen müsste. Ach, Bäume kann man auch anders los­wer­den. Ein ech­ter Bau­lei­ter weiß sicher auch wie.

Ins­be­son­dere kann ich es aber nicht nach­voll­zie­hen, dass die Staats­an­walt­schaft heut­zu­tage den Natur­schutz über die Exis­tenz­grund­lage der Bevöl­ke­rung stellt. Es ist also heut­zu­tage prak­tisch mög­lich, wenn Dein böser Nach­bar nebenan eine Villa baut, dass Du in der Nach­bar­schaft ein paar Bäume abholzt und dann jener Nach­bar erst­mal 2 –3 Jahre lang diese Villa nicht ver­kauft bekommt, weil der Staat ihn bestraft — obwohl — es nur Indi­zien gibt. Das dabei mal eben Fir­men kaputt­ge­macht wer­den kön­nen, inter­es­siert ja nicht.

Das paßt jetzt vie­len moder­nen Mora­lis­ten nicht, denn hier geht es ja um einen gemei­nen, gegel­ten, gold­ring­tra­gen­den “Rei­chen”, der sicher grund­sätz­lich böse, fies und unge­recht ist und der es in jedem Falle ver­dient hat. Was ich da nicht kapiere ist, dass sich das für so schlau und auf­ge­klärt hal­tende Moral­volk nicht merkt, dass es die Situa­tion genauso beur­teilt, wie der mit­tel­al­ter­li­che Dumm­kopf bei den Hexen­ver­bren­nun­gen. Durch sol­che Anek­do­ten betrachte ich den Men­schen als sol­chen anders als früher.

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Januar 13th, 2011 at 10:03 am

Ist Wikileaks ein Demokratie-Irrtum?

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Wiki­leaks ist ja grade ein rie­sen Thema. Ich bin zwar der Mei­nung, dass jeg­li­cher Ver­such ein eta­blier­tes Macht­mo­dell durch “offen gelegte Infor­ma­tio­nen” zu schwä­chen ganz gewal­tig nach hin­ten los­geht, aber das ist hier noch nicht ein­mal von Belang. Zwar wird das dem “Nor­mal­bür­ger” sug­ge­riert, doch was steckt denn schon inhalt­lich in den Wikileaks-Informationen drin, bzw. was ist daran denn nun wirk­lich geheim (im Sinne von staatsgefährend)?

Eher nix.

Des­we­gen halte ich den Wiki­leaks Hype für eben einen sol­chen. Der sich für bes­ser infor­miert hal­tende Netz­bür­ger freut sich hämisch über die angeb­lich wesent­li­chen Pat­zer und Pein­lich­kei­ten, doch die Geheim­dienste inter­es­sie­ren sich wei­ter­hin für die wirk­lich wich­ti­gen Dinge und die blei­ben dann auch geheim. In den Wikileaks-Depeschen liest man nichts von Abspra­chen zwi­schen Nord– und Süd­ko­rea, Kun­ge­leien zwi­schen Russ­land, Geor­gien und der ver­trag­lich heik­len Zusam­men­hänge des Natop­akts. Auch von angeb­li­chen “Bil­der­ber­gern” und NWO-Verschwörungstheoriefakten lässt sich nichts erken­nen (wohl weil es keine gibt). Und ob Osama bin Laden nun an der Dia­lyse in Lon­don, tot in einer Höhle in Pakis­tan oder am son­nend am Strand in Tel Aviv liegt, auch diese Fra­gen wer­den uns dort nicht beantwortet.

Alles in allem also ein Sturm im Was­ser­glas. Aber — um wie­der auf die “sich für bes­ser infor­mier­ten Netz­bür­ger” zurück zu kom­men — all die Lin­ken, Mar­xis­ten, Sonstwie-Alle-Gewalt-Geht-vom-Volke-aus-Träumer, die sich auf sol­che Pseu­do­wich­tig­kei­ten stür­zen in der längst gestor­be­nen Hoff­nung, end­lich gäbe es einen Wan­del soll­ten sich mal über den eige­nen “Mora­lis­mus” Gedan­ken machen und über­le­gen mit_was_ sie es eigent­lich zu tun haben.

Das hat der Tages­spie­gel hier ganz gut zusam­men­ge­fasst:

Rich­tig, es gibt Machen­schaf­ten, die unse­rem mora­li­schen Emp­fin­den wider­stre­ben, von denen ohne Wiki­leaks nie­mand erführe. Doch in der Hoff­nung, dass sie durch ihre Ver­öf­fent­li­chung aus der Welt ver­schwän­den, ste­cken gleich drei Irr­tü­mer. Ers­tens: dass sich jeder Sach­ver­halt ein­deu­tig beschrei­ben lässt. Zwei­tens: dass jede Beschrei­bung zu einer ein­deu­ti­gen mora­li­schen Beur­tei­lung führt. Drit­tens: dass sich durch Ein­sicht ins mora­li­sche Urteil jeder zur ange­mes­se­nen Hand­lung ver­lei­ten lässt.

Genau so ist es. Und es bleibt dabei: auch wenn das “Volk” eine direk­tere Ent­schei­dungs­ge­walt hätte: die Mehr­heit bekommt immer die geschick­ter geführte (oder die bes­ser bezahlte) Kam­pa­gne. Und wie sehr man die Bevöl­ke­rung mit dau­er­haf­ter Ver­schwö­rungs­du­de­lei grenz­psy­cho­ti­sie­ren kann ist ja gut in den ein­schlä­gi­gen Blog­ger­krei­sen nach­zu­le­sen. Wer es dabei nicht schafft einen gesun­den Abstand zum Infor­ma­ti­ons­ge­halt und des­sen emo­tio­na­len Ein­fluß zu bewah­ren, der könnte wohl jeg­li­ches Ver­trauen in irgend­was  verlieren.

Was ich zu Anfang mei­ner Blog­ger­zeit noch im Zuge der Inter­net­zen­sur­ge­setze und den damit ver­bun­de­nen Gefah­ren als völ­lig legi­tim und demo­kra­tie­un­ter­stüt­zend ver­stan­den habe (und bei Ursel von der Leyen hat sich bei mir auch nix geän­dert), dass sehe ich jetzt durch den Wahl­kampf und die poli­ti­schen Irre­füh­run­gen der Oppo­si­ti­ons­par­teien am Bei­spiel des Pro­jek­tes S21 ein wenig dif­fe­ren­zier­ter. Auch wenn Map­pus bei den Räu­mun­gen der Demons­tra­tio­nen blöde Feh­ler gemacht hat, so sehe ich die Gefahr im Ego­is­mus der Oppo­si­tion, diese Feh­ler für sich gewinn­brin­gend (nicht für die Bevöl­ke­rung gewinn­brin­gend) aus­zu­schlach­ten. Die Grü­nen ändern nichts — das sieht man wenn sie an der Regie­rung sind — doch sie schei­nen bereit zu sein das Volk sich selbst soweit ansta­cheln zu las­sen bis Blut fliesst.

Da stelle ich mir die Frage — eta­blier­ter Lob­by­is­mus hin oder her — wer dem Volk weni­ger schadet.

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Dezember 20th, 2010 at 6:02 pm

Totschlagargumente der “neuen Demokratie”

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Als Mit­glied der Inge­nieur­kam­mer Baden-Württemberg erhalte ich das Inge­nieur­blatt. In der Aus­gabe 11/2010 schreibt Klaus Wer­wath in sei­nem Edi­to­rial fol­gende Ana­lyse der Situa­tion um Stutt­gart 21. Der Ärger kam durch einen Satz des Gene­ral­kon­ser­va­tors des Bay­ri­schen Lan­des­am­tes für Denk­mal­pflege, Prof. Dr. Egon Johan­nes Greipl:

„In Stutt­gart kämpft man nicht nur um den Erhalt des Bonatz-Bahnhofs, son­dern auch gegen die Besei­ti­gung eines gewohn­ten Stadt­ge­fü­ges, die Dik­ta­tur der Inge­nieure, die Ver­trau­ens­se­lig­keit der Poli­ti­ker, gegen finan­zi­elle Dimen­sio­nen, die vie­len Bür­gern aben­teu­er­lich erschei­nen, und gegen Risi­ken, die kei­ner abschät­zen kann.“

Tja…die Dik­ta­tur der Inge­nieure. Das ist ja nett! Herr Wer­warth führt ent­spre­chend die­ses Angriffs auf die Inge­nieur­wis­sen­schaf­ten dann auch völ­lig zu Recht wei­ter aus:

“… „Dik­ta­tur der Inge­nieure …!“ Der Lan­des­kon­ser­va­tor sollte der Öffent­lich­keit lie­ber mal erklä­ren, wer – nur so als Bei­spiel – unsere Denk­mä­ler vor Ver­wahr­lo­sung, Ver­wit­te­rung, Zer­fall und Zusam­men­bruch bewahrt.”

Aber darum geht es mir nur in zwei­ter Linie. Tat­säch­lich befürchte ich in sei­nen ande­ren Zei­len eine auf­kom­mende Rechts­rea­li­tät, die mich sehr besorgt um unsere Zukunft sein lässt Read the rest of this entry »

Stuttgart 21: Zerlegung der K21 Theorie

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man liest und hört es allent­hal­ben: K21 ist super. Selbst in der Schlich­tungs­ver­an­stal­tung wurde das Thema K21 und Inte­gra­ler Takt­fahr­plan von den Geg­nern als Argu­ment gegen den geplan­ten Durch­gangs­bahn­hof ver­wen­det. Hier wird diese Behaup­tung im Detail unter­sucht und zer­stört: (ich erlaube mir das Voll­zi­tat hier bei mir:)

Anmer­kun­gen zur Bro­schüre  „K21 – die Alter­na­tive zu Stutt­gart 21“
der S21-Gegner (Initia­tive Leben in Stutt­gart – Kein Stutt­gart 21)
4. aktua­li­sierte Auf­lage, Juli 2010

Die Bro­schüre ent­hält über­wie­gend ein­sei­tige, z. T. sehr pole­mi­sche, sug­ges­tive Dar­stel­lun­gen und eine Viel­zahl von Fehl­in­for­ma­tio­nen. So sind bereits auf den ers­ten Sei­ten beleg­bare Falsch­aus­sa­gen gemacht, zum Bei­spiel zu Kos­ten, zur Leis­tungs­fä­hig­keit und zu Fahr­zei­ten.
Dar­über hin­aus fällt auf, dass die Schrift nicht nur „aktua­li­siert“ wurde son­dern eine Reihe von gra­vie­ren­den Abwei­chun­gen gegen­über den bis­he­ri­gen Vor­stel­lun­gen der S21-Gegner ent­hält. Hat man sich klamm­heim­lich von eini­gen seit­her ver­foch­te­nen Posi­tio­nen ver­ab­schie­det?
Auf die wich­tigs­ten kor­rek­tur­be­dürf­ti­gen und kri­tik­wür­di­gen Punkte wird nach­ste­hend einge-gangen.

1) Kri­tik an der Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ters (Sei­ten 5, 29)

Der BMV wird wegen der Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung zur Mit­be­nut­zung der S-Bahn-Strecke Flug­ha­fen – Rohr für Regio­nal– und Fern­züge kri­ti­siert; diese Geneh­mi­gung gehe „auf Kos­ten der Fahr­gast­si­cher­heit und eines rei­bungs­lo­sen Bahn­be­triebs“. Damit wird ein erhöh­tes Sicher-heitsrisiko sug­ge­riert.
Davon kann jedoch keine Rede sein. Eine Viel­zahl der Tun­nel im deut­schen Bahn­netz hat einen Gleis­ab­stand, der gerin­ger ist als die für Neu­bau­ten gefor­der­ten 4,00 m. So sind auch im Stutt­gar­ter S-Bahn-Bereich von Regio­nal– und Fern­zü­gen und S-Bahn befah­rene Tun­nel mit gerin­ge­ren Gleis­ab­stän­den vor­han­den, deren Betrieb seit Jahr­zehn­ten pro­blem­los und gefahr­los läuft (Prag­tun­nel, Rosen­stein­tun­nel, Schwaik­hei­mer Tun­nel mit Gleis­ab­stän­den von 3,75 bzw. 3,65 m). Der Gleis­ab­stand der Tun­nel am Flug­ha­fen und in Leinfelden-Echterdingen beträgt 3,80 m.
Dar­über hin­aus ist diese Kri­tik Heu­che­lei, denn das bis­her ver­foch­tene Bedie­nungs­kon­zept K21 sieht vor, sogar mehr Fern– und Regio­nal­züge über diese Stre­cke zu füh­ren als S21. Wird  von den S21-Gegnern neu­er­dings auf den ICE– und Regio­nal­bahn­an­schluss des Flug­ha­fens und der Messe ver­zich­tet und diese Anbin­dung auf die S-Bahn beschränkt?

2) Inte­gra­ler Takt­fahr­plan – ITF (Sei­ten 7, 18)

Die Ein­rich­tung eines „ITF-Vollknotens“, bei dem die Züge aller Ver­kehrs­rich­tun­gen und aller Zug­gat­tun­gen (ICE, IC/EC, RegionalExpress/RegionalBahn) gleich­zei­tig zum Umstei­gen im Bahn­hof bereit­ste­hen, macht bei der Stre­cken­struk­tur im Raum Stutt­gart kei­nen Sinn. Denn im Zulauf auf Stutt­gart wer­den z. B. von Osten her in Plochin­gen die je zwei­glei­si­gen Stre­cken von Ulm-Geislingen und Tübin­gen zusam­men­ge­führt, ebenso in Waib­lin­gen die Stre­cken von Aalen und Schwä­bisch Hall. Von Cann­statt zum Haupt­bahn­hof schließ­lich müs­sen die Züge die­ser vier zwei­glei­si­gen Stre­cken die sel­ben Gleise benut­zen. Das bedeu­tet, dass die ankom­men­den ICE, IC, RE und RB (d. s. nach der­zei­ti­gem Stand bereits 7 Züge) alle hin­ter­ein­an­der in den Stutt­gar­ter Hbf ein­fah­ren müs­sen. Bei einem Zug­fol­ge­ab­stand von nur 3 Minu­ten für die Ein­fahr­ten und Aus­fahr­ten führt dies unter Berück­sich­ti­gung der Takt­sym­me­trie dazu, dass Regio­nal­züge bis zu 38 Minu­ten am Bahn-steig ste­hen müs­sen, bis alle Züge die­ses „ITF-Bündels“ den Bahn­hof wie­der ver­las­sen haben; bei  zwei zusätz­li­chen Glei­sen zwi­schen Hbf und Cann­statt ließe sich diese Zeit auf 26 Minu-ten redu­zie­ren (aus/in Rich­tung Feu­er­bach sind es 32 Minu­ten).
Dar­aus wird die fatale Fehl­ein­schät­zung der ITF-Anwendung beim Kopf­bahn­hof im Ver-gleich zum Durch­gangs­bahn­hof deutlich.

Der für S 21 geplante ITF ist gegen­über dem „tota­len ITF-Vollknoten“ sinn­voll redu­ziert und dadurch dem „Voll­kno­ten“ deut­lich überlegen:

- Die Auf­ent­halts­zei­ten der zum ITF-Bündel zusam­men­ge­führ­ten Züge sind wesent­lich kür­zer
(max. 14 Minu­ten gegen­über. 38/26 bzw. 32 Minu­ten), was für die umstei­gen­den und für
die durch­fah­ren­den Rei­sen­den deut­li­che Rei­se­zeit­ge­winne bedeutet.

- Das Bedie­nungs­an­ge­bot im Regio­nal­ver­kehr wird auf den Stre­cken bis zu den 4 Zwi­schen–
kno­ten erheb­lich ver­bes­sert: von Plochin­gen wür­den bei K 21 bei­spiels­weise beim Stun­den–
takt bei­spiels­weise nach Stutt­gart 2 RE im Abstand von 3 Minu­ten hin­ter­ein­an­der her­fah­ren,
der nächste RE dann jedoch erst 57 Minu­ten (beim 30-Minuten-Takt 27 Minu­ten) spä­ter.
Die für S 21 vor­ge­se­hen Bedie­nungs­va­ri­ante für den Regio­nal­ver­kehr führt dage­gen beim
Stun­den­takt zu einer halb­stün­di­gen, beim 30-Minuten-Takt zu einer vier­tel­stün­di­gen Bünde–
lung von je 4 RE und damit zu einem dich­ten Ange­bot auch im Stutt­gar­ter Umland mit
deut­lich gerin­ge­ren War­te­zei­ten als bei K 21.

3) Zahl der Zulauf­stre­cken zum Haupt­bahn­hof  (Seite 7)

Die Aus­sage zu den Zulauf­stre­cken in der Bro­schüre ist falsch.
Abge­se­hen von den S-Bahn-Gleisen, die bei K21 und S21 gleich blei­ben, füh­ren in den künf­ti­gen Durch­gangs­bah­nof vier zwei­glei­sige Stre­cken ein (Rich­tung Feu­er­bach, Cann­statt, Wan­gen und Flug­ha­fen).  In den der­zei­ti­gen Kopf­bahn­hof sind es dem­ge­gen­über nur eine ein­glei­sige (Gäu­bahn) und zwei zwei­glei­sige Stre­cken (Rich­tung Feu­er­bach und Cann­statt); beim Bau von zwei wei­te­ren Glei­sen zwi­schen Hbf und Cann­statt wären es bei K21 eine ein­glei­sige und drei zwei­glei­sige Strecken.

4) Belas­tung der NBS durch Fern– und Regionalzüge

Die Geg­ner kri­ti­sie­ren, dass bei S21 zwi­schen Hbf und Flug­ha­fen auf der Neu­bau­stre­cke Schnell­ver­kehr und Regio­nal­ver­kehr über­la­gert sind und bei die­sem „fau­len Kom­pro­miss“ dann „im betrieb­li­chen All­tag Stö­run­gen und Behin­de­run­gen auf­tre­ten“ wer­den (siehe bereits in „Kopf­bahn­hof 21“, Schrift VCD u.a. 2006).
Dem­ge­gen­über ist es anschei­nend pro­blem­los, wenn bei dem über viele Jahre ver­foch­te­nen Kon­zept K21 vom Flug­ha­fen kom­mend auf der NBS zwi­schen Scharnhausen/Denkendorf und Obertürkheim/Mettingen auch die Fern– und Regio­nal­züge der Gäu­bahn und sogar noch eine S-Bahn-Linie – und damit also noch mehr Züge – zusätz­lich zum Schnell­ver­kehr fah­ren sollen.

5) Kos­ten der Stadt­bahn­ver­le­gung (Seite 9)

Die Kos­ten der abschnitts­wei­sen Stadt­bahn­ver­le­gung (Hbf — Tür­len­straße, Staats­ga­le­rie) sind in der Kal­ku­la­tion für Stutt­gart 21 enthalten.

6) „Neu­bau­stre­cke ja, aber nicht mit die­ser Pla­nung“ (Sei­ten 9–11, 28)

Die Alter­na­ti­v­über­le­gun­gen zur Tras­sen­füh­rung der Neu­bau­stre­cke nach Ulm wur­den mit der Ent­schei­dung zur auto­bahn­na­hen H-Trasse 1991/92 abge­schlos­sen. Damit wurde auch ent­schie­den, dass diese Schnell­fahr­stre­cke nicht für den her­kömm­li­chen schwe­ren Güter-verkehr benutzt  wird.
Die Stre­cke ist bekannt­lich Bestand­teil zweier euro­päi­scher Kor­ri­dore im Rah­men des Hoch-geschwindigkeitsnetzes der EU, näm­lich der West-Ost-Magistrale Europa (Paris-Straßburg-Stuttgart-München-Wien-Bratislava/Budapest) sowie des sog. Nord­west­kor­ri­dors (Brüssel/ Amsterdam/Ruhrgebiet-Köln-Mannheim-Stuttgart-München-Italien/Balkan). In den europä-ischen Nach­bar­län­dern sind diese Stre­cken in wei­ten Berei­chen bereits in Betrieb oder im Bau. Hier von „über­kom­me­ner Schnell­fah­rideo­lo­gie“ zu spre­chen ist absurd.

Wenn in der Bro­schüre nun die Neu­bau­stre­cke „nicht mit die­ser Pla­nung“ pro­pa­giert und eine für schwere Güter­züge taug­li­che Trasse ver­langt wird, so würde das bedeu­ten, ent­we­der für Wend­lin­gen – Ulm einen Basis­tun­nel unter der Alb (wie beim Gott­hard) zu bauen oder zur Füh­rung der Stre­cke durch das Fil­s­tal zurück­zu­keh­ren – dort mit vier­glei­si­gem Aus­bau, mit Stre­cken­be­gra­di­gun­gen (um wenigs­tens min­des­tens 160 km/h zu errei­chen), mit Abriss von meh­re­ren zig Häu­sern, mit Schall­schutz­wän­den und Ein­hau­sun­gen der Bahn von 5 oder mehr Metern Höhe durch die Ort­schaf­ten.
Diese Vor­stel­lun­gen erschei­nen wenig erfolgversprechend.

7) S 21 „als Pro­blem­fin­dungs­pro­gramm“ (Seite 14)

Diese Aus­füh­run­gen sind falsch und stel­len die Wirk­lich­keit auf den Kopf.
Die Aus­sage, wonach beim Kopf­bahn­hof „bereits heute die Kapa­zi­täts­grenze bei 51 Zügen pro Stunde“ liege, führt irre. In die­ser Zahl sind die Ein­fahr­ten und die Aus­fahr­ten jedes Zuges je extra gezählt. Die tat­säch­li­che Zug­zahl der abfah­ren­den Züge betrug 2009 in der Spit­zen­stunde 25 Züge.
Die Unter­stel­lung „wis­sent­li­cher Falsch­aus­sa­gen“ ist schlicht­weg eine Ver­leum­dung.
8) Kos­ten und Kos­ten­ent­wick­lung S 21 und K 21 (Seite 16)

Die detail­lierte Ermitt­lung der Inves­ti­tio­nen für Stutt­gart 21 wies nach dem Pla­nungs­stand 2005/06 mit Preis­stand 2004 2,81 Mrd.€ aus. Diese Zah­len der Pla­nungs­trä­ge­rin lagen dem Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren sowie dem Ver­fah­ren beim Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Württemberg (Ent­scheid VGH 6.4.2006) zugrunde. Im Zusam­men­hang mit den Finanzie-rungsverhandlungen wurde 2008  der Inves­ti­ti­ons­be­darf für Stutt­gart 21 in der Gesamt­summe  von 2,81 Mrd. € auf  3,076 Mrd. € aktua­li­siert, das ent­spricht einer Stei­ge­rung von rd. 9,5 %. Im Dezem­ber 2009 wurde über eine Schät­zung der Preis­stei­ge­rungs­ra­ten bis zum Ende der Bau­zeit ein zu erwar­ten­der Inves­ti­ti­ons­be­darf  für S 21 von 4,088 Mrd. € ermittelt.

Die in der Bro­schüre Seite 16 ange­ge­bene Schät­zung der Inves­ti­tio­nen für K 21 in Höhe von 2,5 Mrd. € ent­spricht der von der DB bereits nach Preis­stand 2004 ermit­tel­ten Summe von 2,57 Mrd. €, die also um knapp 10 % unter der Summe von S 21 lag. Aller­dings ist auch hier eine ent­spre­chende Anpas­sung der Inves­ti­ti­ons­summe an die Preis­ent­wick­lung not­wen­dig.
Geht man von den glei­chen Stei­ge­rungs­ra­ten aus wie bei S 21, so errech­nen sich für den Kopf­bahn­hof 21 ins­ge­samt 3,74 Mrd. € (ent­spre­chend den 4,01 Mrd. € für S 21).

Die Erneue­rung und Ertüch­ti­gung des Kopf­bahn­ho­fes muss unter vol­ler Auf­recht­er­hal­tung des Eisen­bahn­be­triebs in dem stark belas­te­ten, viel­fäl­tig ver­floch­te­nen Kno­ten­be­reich durch­ge­führt wer­den. Das bedingt einen kom­pli­zier­ten Bau­ab­lauf mit vie­len Interims-zuständen, erheb­li­chen Betriebs­er­schwer­nis­sen und mas­si­ven Betriebs­be­hin­de­run­gen. Eine Reihe von Ein­zel­bau­stel­len ist über­haupt nur mit Schie­nen­fahr­zeu­gen erreich­bar; dafür müss­ten wei­tere Gleise gesperrt wer­den, die dann — neben den durch die Bau­stelle direkt betrof­fe­nen Glei­sen – für den Eisen­bahn­be­trieb eben­falls nicht nutz­bar wären.
Diese Zwänge erlau­ben auch in wei­ten Berei­chen keine zeit­glei­chen Bau­maß­nah­men, so dass sich die Bau­zeit über viele Jahre erstre­cken würde. Damit müss­ten deut­lich län­gere Erschwer­nisse für die Fahr­gäste und Behin­de­run­gen auch im Stadt­ge­biet in Kauf genom­men wer­den als bei S 21.

Dar­aus folgt: die oben dar­ge­stellte Hoch­rech­nung der Inves­ti­ti­ons­summe für K 21 müsste eigent­lich deut­lich höhe­ren Kos­ten­stei­ge­run­gen unter­lie­gen als S 21, weil bei K 21 ein weit höhe­rer Per­so­nal­kos­ten­an­teil an der Gesamt­summe der Inves­ti­tio­nen auf­grund der kompli-zierten Erneue­rungs– und Aus­bau­maß­nah­men im kom­ple­xen Gleis­feld des Kopf­bahn­hofs anfal­len würde. Diese Arbei­ten sind viel weni­ger „auto­ma­ti­sier­bar und mecha­ni­sier­bar“ als die Neu­bau­maß­nah­men bei S21, die unab­hän­gig vom lau­fen­den Bahn­be­trieb mit dem dort mög­li­chen und übli­chen Groß­ge­rä­te­ein­satz erstellt wer­den. Da auch in Zukunft — wie in der rück­lie­gen­den Zeit — die Per­so­nal­kos­ten mit höhe­ren Preis­stei­ge­rungs­ra­ten behaf­tet sein wer­den als die Kos­ten für Maschi­nen­ein­satz und Mate­rial, wer­den die Gesamt­kos­ten für K21 stär­ker stei­gen als für S21.
Eine Gegen­über­stel­lung der Inves­ti­tio­nen für S 21 und K 21 ist als Anlage beigefügt.

Die auf Seite 48 genann­ten Kos­ten von 1,2 – 2,3 Mrd. € sowie die Behaup­tung, dass  die Kos­ten von K 21 „um zwei Drit­tel nied­ri­ger als bei Stutt­gart  21“ lägen, sind also absurd und nicht haltbar.

9) Kos­ten der Flug­ha­fen­an­bin­dung bei K 21

Die erfor­der­li­chen Inves­ti­tio­nen der Flug­ha­fen­an­bin­dung ein­schl. der neuen Stre­cke Flug-hafen – Den­ken­dorf, dem unter­ir­di­schen Gleis­drei­eck Scharn­hau­sen, der Roh­rer Kurve, der not­wen­di­gen Anpas­sung des Flug­ha­fen­bahn­hofs und der Erneue­rung der Gäu­bahn wer­den  mit 275 Mio. € ange­ge­ben.
Schon in der Kal­ku­la­tion 2005/06 (nach Kos­ten­stand 2004) für den VGH wur­den von der DB — vom Gericht unwi­der­spro­chen — dafür 365 Mio. € ermit­telt. Wenn man die Aktualisierung/Hochrechnung auf den aktu­el­len Kos­ten­stand glei­cher­ma­ßen vor­nimmt wie für S 21 (von 2,8 auf 4,1 Mrd. €), so müss­ten es hier 531 Mio. € sein; d. i. fast das Dop­pelte der VCD-Angabe.

10) „Der neue Herz­in­farkt Euro­pas“ (Seite 22/23)

Diese Dar­stel­lun­gen zei­gen in beson­de­rer Weise, dass das Inter­esse der Ver­fas­ser nicht in der sach­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Pla­nung son­dern in der Pole­mik und Angst­ma­che­rei beim Leser liegt. So wer­den hier Gleis­ver­bin­dun­gen unter­schla­gen, beste­hende Fak­ten im Bestands­netz, die gar nicht Teil der S21-Planung sind, als „Eng­pässe bei S 21“ aus­ge­wie­sen, Misch­ver­kehre zwi­schen Regio­nal– und S-Bahnen als kri­tisch dar­ge­stellt und Einfahr-geschwindigkeiten in den Flug­ha­fen­bahn­hof mit 80 km/h als Ein­schrän­kun­gen sug­ge­riert. Misch­ver­kehre wer­den auf den Außen­stre­cken der S-Bahn seit jeher prak­ti­ziert und sind auch Bestand­teil der K21-Konzeption. Ein­fahr­ten in Bahn­höfe für dort hal­tende Züge sind fahr-dynamisch mit 80 km/h nor­ma­ler Stand der Tech­nik; bei K21 dage­gen müss­ten alle Züge in den Kopf­bahn­hof mit deut­lich nied­ri­ge­rer Geschwin­dig­keit (heute 30 km/h) einfahren.

11) Leis­tungs­fä­hig­keits­ver­gleich  S 21 / K 21 (Sei­ten 9, 18, 35)

Für die Leis­tungs­fä­hig­keit von Bahn­hö­fen gilt seit jeher: im Ver­gleich von Kopf­bahn­hof und Durch­gangs­bahn­hof benö­tigt der Kopf­bahn­hof etwa dop­pelt so viele Gleise wie der Durch-gangsbahnhof. Diese Faust­re­gel hat sich auch für Stutt­gart bestä­tigt.
Dar­über hin­aus zei­gen alle eisen­bahn­be­triebs­wis­sen­schaft­li­chen Stu­dien deut­lich, dass die Gleis­ver­flech­tun­gen im Bahn­hofs­vor­feld für die Leis­tungs­fä­hig­keit des Bahn­ho­fes weit ent­schei­den­der sind als die Zahl der Bahnsteiggleise.

Über die Leis­tungs­fä­hig­keit des geplan­ten Durch­gangs­bahn­hofs Stutt­gart Hbf (S 21) und sei­ner Zulauf­stre­cken lie­gen sehr detail­lierte Unter­su­chun­gen vor. So wei­sen die Stu­dien und Sen­si­ti­vi­täts­rech­nun­gen aus den neun­zi­ger Jah­ren eine hohe Leis­tungs­fä­hig­keit und weit grö­ßere Kapa­zi­täts­re­ser­ven des Durch­gang­bahn­hofs gegen­über dem Kopf­bahn­hof aus. Jün­gere erneute Stu­dien zum Leis­tungs­ver­hal­ten des Bahn­hofs aus dem Jahr 2005 bestä­ti­gen dies erneut in ein­drucks­vol­ler Weise.
Um die Leis­tungs­gren­zen über das für S 21 geplante Betriebs­pro­gramm hin­aus aus­zu­lo­ten, wurde ein „Sze­na­rio erhöh­tes Ange­bot“ geprüft. Dar­aus zeig­ten sich sehr hohe Leis­tungs­re­ser­ven beim Durch­gangs­bahn­hof (bezo­gen auf den sei­ner­zei­ti­gen Jah­res­fahr­plan 70 % für den Fern­ver­kehr, >100 % für den Regionalverkehr).

Neben der Leis­tungs­fä­hig­keit eines Bahn­kno­tens ist des­sen betrieb­li­che Fle­xi­bi­li­tät wich­tig. Das gilt sowohl für spä­ter erfor­der­li­che Ver­än­de­run­gen des Betriebs­an­ge­bots als auch für kurz­fris­tige Abwei­chun­gen vom Regel­be­trieb. Diese Fle­xi­bi­li­tät ist für eine lang­le­bige Infra­struk­tur von gro­ßer Bedeu­tung, da die lang­fris­tige Ent­wick­lung der Ver­kehrs­nach­frage heute noch nicht zuver­läs­sig abschätz­bar ist. Diese Fle­xi­bi­li­tät ist, unter Fach­leu­ten inter­na­tio­nal unum­strit­ten, bei einem Durch­gangs­bahn­hof grund­sätz­lich deut­lich güns­ti­ger als beim Kopf­bahn­hof. Beim Kopf­bahn­hof müs­sen alle Züge das Bahn­steigg­leis in glei­cher Rich­tung wie­der ver­las­sen, aus der sie ein­ge­fah­ren sind; das hat viel­fäl­tige Fahrstraßen-ausschlüsse in den Gleis­ver­flech­tun­gen des Bahn­hofs­vor­fel­des zur Folge.
Dar­über hin­aus rea­giert der 8-gleisige Durch­gangs­bahn­hof auch an der Grenze sei­nes opti­ma­len Leis­tungs­be­reichs (der deut­lich höher liegt als der­je­nige des ertüch­tig­ten 16-gleisigen Kopf­bahn­hofs) weit weni­ger emp­find­lich auf höhere Belas­tun­gen. Er besitzt somit eine erheb­lich höhere Fle­xi­bi­li­tät bei Abwei­chun­gen vom Regel­be­trieb (Bau­ar­bei­ten, Verspä-tungen) sowie für zukünf­tige Betriebs­plan­än­de­run­gen als der Kopf­bahn­hof.
Dar­über hin­aus zeigt eine Betriebs­sim­la­tion, wie sie im Rah­men von Leistungsuntersuchun-gen üblich ist, dass Ver­spä­tun­gen, die von außen in den Kno­ten Stutt­gart hin­ein­ge­tra­gen wer­den, beim geplan­ten Betriebs­pro­gramm im Durch­gangs­bahn­hof S 21 spür­bar redu­ziert wer­den kön­nen, was beim Kopf­bahn­hof K 21 nicht der Fall ist.

Auch ein ent­spre­chend ertüch­tig­ter Kopf­bahn­hof (K 21) ist in der Lage, die vom zukünf­ti­gen Betriebs­kon­zept gefor­derte Leis­tung zu erbrin­gen. Die Beto­nung liegt dabei aller­dings auf „Ertüch­ti­gung“, d.h. dem leis­tungs­stei­gern­den Aus­bau des Gleis­vor­fel­des des beste­hen­den Kopf­bahn­hofs mit zusätz­li­chen Kreu­zungs­bau­wer­ken und Gleis­ver­bin­dun­gen. Die­ser Aus­bau in Kom­bi­na­tion mit der umfas­sen­den Erneue­rung der aus der Zeit des 1. Welt­kriegs stam­men­den, ver­al­te­ten Bau­werke ist sehr auf­wän­dig – sowohl in der tech­ni­schen Abwick­lung als auch in den Kosten.

Aus den Erläu­te­run­gen Zif­fer 8 ist ersicht­lich, dass – ent­ge­gen den Behaup­tun­gen der S21-Gegner – die erfor­der­li­chen Inves­ti­tio­nen für K 21 nur gering­fü­gig unter denen für S 21 lie­gen wür­den. Somit war schluss­end­lich im Abwä­gungs­pro­zess zu ent­schei­den, wel­che Vari­ante bei Betrach­tung der Vor– und Nach­teile, der Nut­zen und Kos­ten, bes­ser abschnei­det. Diese Abwä­gung führt zu dem ein­deu­ti­gen Ergeb­nis, die Rea­li­sie­rung von Stutt­gart 21 zu empfehlen.

Resü­mee

Den Anstoß zu Stutt­gart 21 gaben zwar ursprüng­lich die Pla­nun­gen zum euro­päi­schen Hoch­ge­schwin­dig­keits­netz für den Fern­ver­kehr. Durch die Gestal­tung der Gleis­an­la­gen und Netz­an­bin­dun­gen konnte aber für S 21 ein Betriebs­kon­zept ent­wi­ckelt wer­den, das dem Nah– und Regio­nal­ver­kehr in noch stär­ke­rem Umfang als dem Fern­ver­kehr quan­ti­ta­tive und qua­li­ta­tive Ver­bes­se­run­gen bie­tet und Kapa­zi­täts­aus­wei­tun­gen ermög­licht. Mit der Fahr­mög­lich­keit der Züge in allen Rela­tio­nen ohne Rich­tungs­wech­sel über den neuen Haupt­bahn­hof und mit der Durch­bin­dung aller Regio­nal­li­nien wird eine ver­kehr­li­che Opti­mie­rung über alle Fahr­gast­grup­pen erreicht (Mini­mie­rung des Umstei­ge­be­darfs, güns­tige Umstei­ge­ver­bin­dun­gen mit kür­zest­mög­li­chen Überg­angs­zei­ten und –wegen, kurze Auf­ent­halts­zei­ten für die durch­fah­ren­den Rei­sen­den und damit ins­ge­samt Mini­mie­rung der Reisezeiten).

Die Behaup­tung, S 21 sei „nur immo­bi­li­en­wirt­schaft­lich moti­viert und aus finan­zi­el­ler und ver­kehrs­po­li­ti­scher Sicht völ­lig ver­fehlt“ (Seite 28), ist völ­lig absurd.
Die verkehrlich-eisenbahnbetriebliche Not­wen­dig­keit des Aus­baues des Eisen­bahn­kno­tens Stutt­gart im Zusam­men­hang mit dem euro­päi­schen Netz steht außer Frage. Der sug­ge­rierte Ein­druck, mit K 21 dafür eine gleich­wer­tige und kos­ten­güns­ti­gere Lösung  errei­chen zu kön­nen, ist falsch. Viel­mehr zei­gen die Aus­füh­run­gen unter Punkt 8, dass K 21 Kos­ten in ähnli­cher Höhe ver­ur­sa­chen würde wie das bekämpfte S 21.
Man sollte daher kon­se­quen­ter­weise — wenn man vom „Mil­li­ar­den­pro­jekt Stutt­gart 21“ spricht -  auch vom „Mil­li­ar­den­pro­jekt Kopf­bahn­hof 21“ sprechen.

Dar­über hin­aus besteht für K 21 weder eine schlüs­sige Pla­nung noch ist eine Finan­zie­rung dafür in Sicht. Ins­ge­samt fehlt ein umfas­sen­des bau­li­ches, verkehrlich-betriebliches und finan­zie­rungs­tech­ni­sches Kon­zept. Das würde lang­wie­rige Pla­nungs­schritte und Verhand-lungen mit „neuen“ Betrof­fe­nen erfor­dern und damit zum Nach­teil der Region und des Lan­des eine Ver­zö­ge­rung des Pro­jek­tes von vie­len Jah­ren bedeuten.

Dem­ge­gen­über ver­mag die Gesamt­kon­zep­tion Stutt­gart 21 – ent­ge­gen den sug­ges­ti­ven Behaup­tun­gen der Bro­schüre  — auch weit in die Zukunft gerich­tete Anfor­de­run­gen deut­lich bes­ser zu erfül­len als das Kon­zept K 21.
Inves­ti­ti­ons­be­darf von Stutt­gart 21
(Bau des tief­lie­gen­den Durch­gangs­bahn­hofs und der Neu­bau­stre­cke bis Wendlingen)

Bau Durch­gangs­bahn­hof und Zulauf­stre­cken                                   1.880 Mio. €
(Gesamt­kno­ten incl. Stre­cken von Feu­er­bach und Cann­statt,
Tun­nel vom Hbf nach Wan­gen – Ober-/Untertürkheim,
Ersatz des Abstell­bahn­hofs Rosen­stein durch War­tungs­bahn­hof Unter­türk­heim,
S-Bahn-Führung über neue Hal­te­stelle Mittnachtstraße)

Neu­bau­stre­cke Hbf – Flug­ha­fen – Wend­lin­gen (- Ulm)                        720 Mio. €
(Tun­nel vom Hbf zum Flug­ha­fen, Neu­bau­stre­cke par­al­lel zur BAB
nach Wend­lin­gen, Ver­bin­dungs­kurve Wend­lin­gen – Tübingen)

Anbin­dung Flughafen/Messe (Fil­der­bahn­hof)                                      210 Mio. €
(Tun­nel­schlei­fen zum neuen Fern­bahn­hof sowie zum beste­hen­den S-Bahnhof,
Anpas­sung des S-Bahnhofs, Ver­bin­dungs­kurve Rohr Rich­tung Böb­lin­gen – Horb)
___________
Gesamt­summe *                                                                                       2.810 Mio. €
(Hoch­rech­nung 2008 auf 3.076 Mio. €) **
(Schät­zung 12/2009 bis Ende Bau­zeit auf 4.088 Mio €) ***
Inves­ti­ti­ons­be­darf der Alter­na­tive Kopf­bahn­hof 21
(Bei­be­hal­tung des Kopf­bahn­hofs und Ausbau-/Neubaustrecke bis Wendlingen)

Erneue­rung und Ertüch­ti­gung des Kopf­bahn­hofs                              1.155 Mio. €
(incl. Sicherungs-/Betriebsleittechnik, Brü­cke­ner­neue­rung, Fahr­stra­ß­en­er­gän­zun­gen,
Abstell­bahn­hof Rosen­stein, zwei zusätz­li­che Gleise nach Cannstatt)

6-gleisiger Aus­bau Cann­statt — Ober­türk­heim (od. Met­tin­gen),         1.050 Mio. €
Neu­bau­stre­cke Ober­türk­heim (od. Met­tin­gen) – Wend­lin­gen
(Aus­bau der beste­hen­den Stre­cke bis Ober­türk­heim (od. Met­tin­gen),
Neu­bau­stre­cke Ober­türk­heim (od. Met­tin­gen) – Wend­lin­gen
mit Tun­nel bis Den­ken­dorf, Wei­ter­füh­rung par­al­lel zur BAB wie H-Trasse)

Anbin­dung Flughafen/Messe                                                                     365 Mio. €
(Stich­stre­cke zum Flug­ha­fen­bahn­hof mit Gleis­drei­eck bei Den­ken­dorf,
Ver­bin­dungs­kurve bei Rohr Rich­tung Böb­lin­gen – Horb,
Sanie­rung der Gäu­bahn von Vai­hin­gen zum Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hof)                         __________

Gesamt­summe *                                                                                       2.570 Mio. €
(ent­spre­chende Hoch­rech­nung 2008 auf 2.813 Mio. €) **
(entspr. Hoch­rech­nung der Schät­zung 2009: 3.739 Mio €) ***

*)   Die Anga­ben bezie­hen sich auf den Pla­nungs­stand 2005/06 mit Preis­stand 2004, wie er von der Pla­nungs–
trä­ge­rin dem Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren  sowie dem Ver­fah­ren beim Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Württ.
(Ent­scheid VGH 6.4.2006) zugrunde lag.

**)   Der Inves­ti­ti­ons­be­darf für Stutt­gart 21 wurde im Zusam­men­hang mit den Finan­zie­rungs­ver­hand­lun­gen 2008
aktua­li­siert in der Gesamt­summe  von 2,81 Mrd. € auf  3,076 Mrd. €, das ent­spricht einer Stei­ge­rung von
rd. 9,5 %. Die entspr. Anpas­sung für den Kopf­bahn­hof 21 führt dort zu der Gesamt­summe von 2,813 Mrd. €.

***) Im Dez.2009 wurde über eine Schät­zung der Preis­stei­ge­rungs­ra­ten bis zum Ende der Bau­zeit ein zu
erwar­ten­der Inves­ti­ti­ons­be­darf  für S21 von 4,088 Mrd. € ermit­telt. Preis­stei­ge­rung K21 ana­log: 3,739  Mrd. €.

Hei­merl zer­pflückt K21

29.08.10

unge­kürz­ter Ori­gi­nal­text von Pro­fes­sor Ger­hard Hei­merl, dem ehe­ma­li­gen Ordi­na­rius für Eisen­bahn und Ver­kehrs­we­sen an der Uni­ver­si­tät Stuttgart

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Oktober 26th, 2010 at 6:11 pm

Der neue Personalausweis

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Wie schrieb der Jour­na­lis­tik­pro­fes­sor und Blog­ger Jeff Jar­vis kürz­lich nach einer Ver­an­stal­tung mit einem deut­schen Daten­schüt­zer in Ber­lin? “Oh, diese Deut­schen.” Sie fürch­te­ten Google, hät­ten aber kein Pro­blem, sich mit einem Aus­weis im Inter­net zu iden­ti­fi­zie­ren, ja sie for­der­ten das sogar aus Grün­den der Daten­si­cher­heit. “Und mich schau­dert es schon ein wenig, dass nie­mand zu bemer­ken scheint, wel­cher Geist allein in dem Wort ‘Aus­weis’ steckt.” Immer wür­den ihn die Deut­schen an ihre dunkle Ver­gan­gen­heit erin­nern, wenn es um Pri­vat­sphäre gehe, schreibt Jar­vis. “Den­noch instal­liert ihre Regie­rung eine Iden­ti­täts­karte mit Tech­no­lo­gie, die jeden Ame­ri­ka­ner ver­rückt wer­den lässt, wenn sie nur anonym an Hosen hängt.”

Jar­vis meint den berüh­rungs­los aus­les­ba­ren Chip mit RFID-Technologie. Zitat CCC: Wer sich bis Okto­ber kei­nen alten Aus­weis besorge, habe nur noch die Chance, “den Chip im Aus­weis zu deak­ti­vie­ren”. Das bleibe fol­gen­los. “Denn recht­lich und fak­tisch ist das Aus­weis­do­ku­ment auch ohne funk­tio­nie­ren­den Chip voll­wer­tig gültig.”

Seit eini­gen Tagen ist das Thema des neuen Per­so­nal­aus­wei­ses in aller Munde. Ges­tern hat unser Innen­mi­nis­ter Lothar de Maziere im ZDF tat­säch­lich gesagt: „irgend­wel­che Hacker wer­den immer irgend­was hacken können.…aber der neue Per­son­aus­weis ist sicher!“

Erschre­ckend und skan­da­lös mit wel­cher bor­nier­ten Igno­ranz diese „Fach­leute“ für Fach­be­rei­che „ver­ant­wort­lich“ und außer­or­dent­lich untaug­lich für den Job sind. Das gilt natür­lich schon seit lan­gem für den Herrn Maziere (ich erin­nere nur an die The­ma­tik Inter­net­zen­sur und Ursel von der Leyen). Also in die­sem Falle meint er sinngemäß:

  • irgend­wel­che Amok­läu­fer wer­den immer irgendwo amok­lau­fen. Unsere Waf­fen­ge­setze sind sicher!“ oder
  • irgend­wel­che Atom­end­la­ger wer­den immer irgendwo undicht sein. Unsere Atom­end­la­ger sind sicher!“, glei­ches gilt für Atomkraftwerke.“

In Bezug auf das ein­gangs erwähnte Zitat von Jeff Jar­vis kann man erken­nen, für wie däm­lich die Poli­tik die Bevöl­ke­rung hält und was in den Mainstream-Medien stän­dig erfolg­reich pro­pa­giert wird. Neben­kriegs­schau­plätze wie Google Street View wer­den allent­hal­ben in den Medien und in der poli­ti­schen Dis­kus­sion auf­recht erhal­ten, wäh­rend des­sen die wirk­li­chen Pro­bleme und Gefah­ren, wie hier eben der digi­tale Per­so­nal­aus­weis unver­hoh­len als „funk­tio­nie­rende Lösung“ ange­prie­sen wird.

Unver­hoh­len ist auch unser Innen­mi­nis­ter, beweist er doch durch seine dum­men Kom­men­tare, wie sehr ihn diese „äuße­ren Mei­nun­gen“ im Plan der Poli­tik stö­ren. Es kann sei­ner Auf­fas­sung von Macht und Volk ganz ein­fach gar nicht sein, dass die Gedan­ken­gänge und Pro­jekte der Regie­rung von außen als untaug­lich, dumm und völ­lig dil­le­tan­tisch offen gelegt wer­den. Dumm und untaug­lich? Nein, warum denn auch? Die Regie­rung will RFID, denn so las­sen sich die Leute noch bes­ser kontrollieren.

Inso­fern man den Per­so­nal­aus­weis bekom­men muss (viel­leicht weil man ver­ges­sen hat, den alten recht­zei­tig zu bestel­len), so ist es – bis­her zuwei­len – erlaubt den Chip auf der Karte untaug­lich zu machen.

Die Dis­kus­sion über RFID ist schon alt und wie groß war der Auf­schrei und die Empö­rung über etwaige Anwen­dun­gen die­ser Tech­nik. Allein schon die Ver­wen­dung im Kauf­haus hat zu Dis­kus­sio­nen geführt. Und nun soll jeder so ein Ding bei sich tra­gen? Was ist los mit Euch?

Der ein­zige “Vor­teil” der RFID-Technik ist es hier, dass inter­es­sierte Kreise (Poli­zei, Geheim­dienste, Ein­bre­cher) unbe­merkt und auf Dis­tanz pro­blem­los die gesam­ten Aus­weise selbst in grö­ße­ren Men­schen­mas­sen pro­blem­los und schnell erfas­sen kön­nen. Egal, ob der Ein­bre­cher mit dem Anten­ne­kof­fer unauf­fäl­lig die Schlange am Flughafen-Checkin nach Adres­sen von Häu­sern abklap­pert, in denen er unge­stört ein­stei­gen kann, oder ob die Poli­zei nun pro­blem­los alle Per­so­na­lien von Leu­ten erfas­sen kann, die an einer Demons­tra­tion teil­neh­men (oder auch nur zufäl­lig im Emp­fangs­be­reich sind).

Die Vor­teile der RFID-Technologie sind in ers­ter Linie inter­es­sant für Ille­gale oder noch nicht lega­li­sierte Nut­zungs­ar­ten. Und das macht mir Sorgen…“

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September 23rd, 2010 at 9:23 am