Sehr guter Artikel über die Motive der “Generation C64”, wie sie sich selber nennt.
“Seipenbusch zählt sich selbst zur »Generation C64«. Der 41-Jährige ist vor dem Computer Commodore 64 groß geworden, spielt Videospiele und programmiert, seit er denken kann. Die Welt im Internet empfand er von Beginn an als einen friedlichen Ort, an dem sich vernünftige Menschen austauschen. Dann kamen die großen Konzerne ins Netz, später folgte die Politik. Und jetzt, sagt er, tue die Bundesregierung so, als könne man das Internet genauso regulieren wie die reale Welt. Sie tue so, als herrsche in einem Teil des Netzes Anarchie. »Wir handeln aus einer Verteidigungshaltung heraus«, sagt Seipenbusch. Hätten sie ihn einfach in Ruhe gelassen, die Politiker, er hätte wohl friedlich in seinem Computerraum weitergewerkelt. Aber weil die Politiker keine Ruhe wollten, müssen die Piraten jetzt zurückschlagen, findet Seipenbusch. Der stille Seipenbusch ist aus der Deckung gekommen, tagsüber kümmert er sich um Server-Updates, abends um die Bundestagswahlkampagne.
In einer Hinsicht ist der Piratenchef beispielhaft für viele seiner Mitstreiter: Die neue Apo kämpft nicht für eine bessere Welt, sie hatte schon früh ihre eigene. Die Aktivisten der neuen Apo kommunizieren weltweit, halten Kontakt zu Freunden über Facebook und twittern einander zu: »Wo bist du gerade? Was tust du?« Sie finden im Internet Antworten auf alle Fragen. Es ist, als hätten sie einen wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit von dort hochgeladen. Deshalb fühlt sich die neue Apo empfindlich verletzt, wenn Politiker die Handlungsfreiheit im Internet einschränken wollen. Politiker werden als Eindringlinge empfunden in eine Welt, die nicht ihnen gehört. In der sie sich nicht auskennen. Über die sie keine Macht ausüben dürfen. Die jungen Piraten sagen über sich, sie verteidigten die Bürgerrechte. Wahrscheinlich verteidigen sie aber vor allem sich selbst.”