Ein Beispiel von Presselobbyismus. Diesmal geht es um das Schweigen des Berliner Tagesspiegels. Der Mutter des behinderten Kindes ist dabei nicht geholfen. Vielleicht hilft etwas Öffentlichkeit den Verantwortlichen aktiv zu werden.
Die Seite gedankentraeger.de ist übrigens was die Themen Gesundheit und Soziale Pflege angeht, sehr empfehlenswert.
“Monika Scheele-Knight schreibt seit vielen Jahren das Weblog «Gedankenträger». Ein Schwerpunkt des Blogs ist der Autismus ihres inzwischen neunjährigen Sohnes John — von pädagogischen Theorien bis zu praktischen Hilfen im Alltag.
Dein Sohn ist schwer behindert. Du musst immer wieder dafür kämpfen, dass er zur Schule gehen darf. Worum geht es diesmal? Monika Scheele-Knight: Es gibt Kinder mit Behinderungen, die nur mit Hilfe einer Schulassistenz lernen können. Zum neuen Schuljahr wurden für ganz Berlin 1177 Schulhelferanträge gestellt. Es geht also um eine vergleichweise kleine Gruppe von Kindern, für deren Beschulung das Land Berlin nun aber angeblich nicht mehr genügend Geld hat. Wir Eltern der schwerst beeinträchtigten Kinder sehen nicht ein, dass ausgerechnet an den Schwächsten nun gespart wird. Auch unsere Kinder haben ein Recht auf Bildung, wie jedes andere Kind.
Deine Bitte, für eine Anzeige in der taz zu spenden, wurde in vielen Blogs und auf Twitter verlinkt. Kannst du einschätzen, wie erfolgreich das war? Spenden die Verlinker auch selbst oder ist das Verlinken eher eine moralische Ersatzhandlung?
Scheele-Knight: Viele der Verlinker haben selbst gespendet, und dann kamen auch Spenden von Unbekannten mit dem Hinweis, über wen sie auf uns gestoßen sind. Uns hat auch erstaunt, dass so viele Leute über Paypal gespendet haben, eigentlich war das nur so eine Zusatzidee, von der wir dachten, dass es ganz schick aussieht, aber wahrscheinlich wenig genutzt wird. Etwa die Hälfte aller Spenden kamen dann aber tatsächlich über das PayPal-Konto.
Die Anzeige ist inzwischen erschienen. Ihr ruft weiter zu Spenden auf. Wofür?
Scheele-Knight: Wir wollen eine weitere Anzeige im Tagesspiegel schalten. Der Tagesspiegel hat als einzige Berliner Zeitung seit Schulbeginn noch nicht berichtet. Wir haben ca. 600 Euro Überschuss nach Bezahlen der taz-Anzeige. Es gibt eine große Resonanz auf unsere Online-Aktion, wie auch auf die daraus folgende Veröffentlichung der Anzeige in der taz.
Dass das alles über das Programmieren einer Spenden-Website und Verbreiten in Weblogs und auf Twitter so funktioniert, das ist schon ermutigend für uns: wo uns die traditionellen Medien zu großen Teilen im Stich lassen, haben wir unseren eigenen Weg gefunden, und jetzt springen plötzlich doch auch mehr und mehr traditionelle Medien ein. Montag Abend gab es z.B. einen ersten Fernsehbeitrag in der rbb-Abendschau. ”
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“Der Tagesspiegel schweigt sich beharrlich aus. Ich habe das Gefühl, die Journalisten Lobbyisten dort sind im SPD-Wahlkampf und wollen gerade auf keinen Fall etwas Negatives über die SPD schreiben. Das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen ist wie auch in den Vorjahren eine sehr zähe Angelegenheit. Ich habe schon ein Feedback bekommen, in dem es hieß, das Thema sei wohl leider nicht von breitem Interesse. Überall wird “überlegt”, überall “muss das noch entschieden werden.” Egal, wem wir von unseren Problemen erzählen, alle fragen uns, warum denn darüber nicht großräumig berichtet wird. Irgendwie besteht eine sehr große Diskrepanz zwischem dem tatsächlichen Interesse der Menschen und dem Desinteresse, das die Journalobbyisten unterstellen. ”