Bei sowas hier bekomme ich reflexartige Misstrauensschübe. Warum? Weil mir ein Jens Berger vom Spiegelfechter, eine Nachdenkseite oder sonst noch einer des “Eingeschränkten Bieterkreises” nicht weismachen können, dass es ihnen nicht hauptsächlich nur um ihre eigene Kohle geht.
Ich finde es nicht verwerflich, wenn das einer von denen wegen eigener finanzieller Möglichkeiten machen muss, aber ich finde es zum kotzen unglaubwürdig, wenn eine moralische Verantwortung als Begründung vorgeschoben wird.
Nur weil sich der moralisch-virtuell-mehrheitliche Zeitgeist dort wiederfindet und er auch entsprechend bedient wird, erkenne ich noch lange keine Eigeninteressen die über Einfluß, Macht und Kohle hinausgehen.
Blogs sind ein großes Thema zur Zeit und der scheinbare Niedergang der Medien verführt den einen oder anderen dazu, anzunehmen, dass vielgelesene Blogs eine Alternative währen, die an der Gesellschaft was ändern würden.
Die Gesellschaft ändert sich auch wegen und mit den Blogs, aber nicht ursächlich weil da ein paar schlaue Heilsbringer ihre kreativen Arme ausstrecken um das arme suchende Volk ins Paradies zu führen. Da strecken ein paar schlaue Heilsbringer ihre Arme nach ganz anderen, schnöden, handfesten Dingen aus.
Dass die dann ausgerechnet eine Huffington Post als leuchtendes Beispiel vortragen, macht deren offenbare Bewunderung der Kohle, die man mit “sowas” verdienen kann noch ein wenig deutlicher. Das bei SF genannte, als neue Erfindung erscheinende “huch, wir könnten uns ja gegenseitig” Verlinken ist ein weiteres schlechtes Beispiel, wie Glaubwürdigkeit nach hinten losgehen kann: es ist ja mitunter die Natur des Blogs bzw. der Kommentatoren durch schnödes querverlinken Umleitungen auf die eigenen Seiten zu erzeugen — wohl in der Hoffnung, den eigenen Traffic zu erhöhen. Das im Internet Blogs durch Hörensagen empfohlen werden wäre mir sehr neu.
Es ist noch gar nicht so lange her, da schufen ein paar Alphas ein “Internet Manifest” und da schau her, wie schnell war die Blogosphäre aufgescheucht, dass ein paar Auserwählte sich erlaubten den fetten virtuellen Kuchen im Namen aller selbst einzustecken. Der virtuellen Aufmerksamkeit hat es nicht geschadet und (nur ein Beispiel) ein rotschopfiger Sascha Lobo mag sich bei so manchen bis zum jüngsten Tag komplett unglaubwürdig gemacht zu haben, aber er schreibt derweilen nette Büchlein auf unmodernem Papier und wird alle naslang pekuniär untermauert zum einen oder anderen Interview gebeten. Auch so etwas wie die Netzpolitik.org ist mittlerweile — ganz unzeitgemäß — “etabliert” wie man so schön sagt und während ich dort noch Glaubwürdigkeit erkenne, ganz einfach weil es eine hochspezielle Sparte ist, fallen andere Blogkollegen, die sich der “politischen” Themenfindung verschrieben haben bei gleichem Anspruch durchs Netz der Anerkennung.
Da ist mir ein ehrlicher Spendenaufruf noch allemal am liebsten.
Mein Zitat aus diesem Blogeintrag gilt heute übrigens überhaupt nicht mehr:
Lasst uns – verdammt noch mal – wenigstens jetzt – zusammenhalten. Hört auf Euch/uns gegenseitig zu schwächen und uns „für die“ lächerlich zu machen. Gebt „denen“ nicht den ernüchternden Einblick „denen geht es auch nur ums Geld“. (…)…gerade jetzt ein ganz schlechter Zeitpunkt. Und wenn Eure Motivation Dinge zu schreiben und zu offenbaren zu sehr mit dem Zwang damit Geld zu verdienen zusammenhängt, dann lasst es besser bleiben, denn dann korrumpiert Ihr die Idee und die Kraft die hinter diesem Weg in die Öffentlichkeit treten zu können steckt.
Warum? Weil der Mensch nur Brot und Spiele braucht. Und mehr wohl auch gar nicht will. Zumindest nicht der “relevante” Anteil der Bevölkerung. Aber solange “relevante” Blogger (ja noch nichtmal in ausreichender Tiefenschärfe) dröge meckern, kotzen, klagen und Häme über andere ergiessen und Sammelbecken der Enttäuschten (von der Welt oder von den eigenen Fähigkeiten) sind und das nur dazu führt, dass Google-Ads den einen oder anderen Euro bei besagtem Blogger klingeln lässt oder er künftig im ZDF als “Experte” für frische Einschaltquote sorgt, solange können die mich alle mal an meinem virtuellen Arsch lecken.
