auf Telepolis ist ein guter Artikel über die Vernetzung der Politik mit der wachsenden Macht der Evangelikalen. Ein sehr amerikanischer Trend und mehr als bedenklich. Natürlich sind diese Leute keine Verfassungsfeinde. Naja…
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#Wulff: ein Evangelikaler als #Bundespräsident?
Also gut, nachdem Zensursula nun zum Glück unserer Freiheit und unserer Demokratie nicht zum Bundespräsidenten vorgesehen wurde, haben sich diese Leute einen Neuen auserkoren: Christian Wulff.

Weiss ich nicht viel drüber, außer das in diesem Artikel der Nachdenkseiten meiner Ansicht nach sehr gut der Zusammenhang seiner Wahl dargestellt wird.
Eine plausible Erklärung warum es — zum Glück — nicht Ursula von der Leyen wurde, zitiere ich hier aus dem genannten Artikel:
“Zwei Frauen an der Spitze des Staates waren der Männerriege aus Süddeutschland zu viel. Und schließlich mussten auch die Katholiken in der Union endlich wieder bedient werden. Mit Wulff hat Merkel so ziemlich den letzten ernst zu nehmenden innerparteilichen Rivalen elegant ins Schloss Bellevue abgeschoben. (Es könnte allerdings sein, dass ihr mit der ziemlich mies beiseite geschobenen Ursula von der Leyen eine zähe Gegnerin erwächst.)”
Leider lässt sich der Artikel nicht sehr über die auch im Netz kursierenden Informationen zum Hintergrund Christian Wullfs aus. Das Netz offenbart uns einiges, z.B.:
“Christian Wulff gehört zum Kuratorium von “Pro Christ”, einer evangelikalen Missionierungsbewegung. Somit darf man eigentlich vermuten, dass er das Amt des Bundespräsidenten zur bibeltreuen Mission nutzen könnte.
Es liegt zumindest auf der Hand, dass Evangelikale in Deutschland auf dem Vormarsch sind und es von ihnen schon lange als Anliegen und Ziel betrachtet wird in den politischen Reihen ganz oben mitzumischen. Kräftige Unterstützung, auch finanziell, erhalten sie dazu von bibeltreuen Organisationen der USA.”
Mal ganz ehrlich: ich meine ja bekanntermaßen, dass es gute Zeiten für die Kirchen wären, den Unmut der Bevölkerung zu kanalisieren und daraus “Gewinn” zu schlagen. Und wenn ich mir mal z.B. diese Seite einer Europäisch-Amerikanischen Christenvereinigung ansehe und was die von “Pro Christ” halten, dann sind Wulff und seine Jungs ja noch “Waisenknaben”.
Ob das so ist und ob das so bleibt sei mal dahingestellt. Eins ist auf jeden Fall klar: es sind keine guten Zeiten für die Politik weiterhin mit Nebelkerzen wie Ausländer– und Minderheitenhaß, Panikmache und Wahlpropagandalügen zu arbeiten.
Die kommende Generation der Wähler lässt sich nicht mehr so einfach verscheissern.
Der Rücktritt
Tja, da gibt es eine Frau, die hat es nicht leicht gehabt. Die passt zu den tragischen Figuren der Bibel so gut, wie die Faust aufs Auge. Und klar, so wie es der Spiegelfechter hier ausdrückt,
“Es wäre erfreulich, wenn andere Persönlichkeiten genauso konsequent auf eigene Fehler reagieren würden.”
kann man es eigentlich nicht besser sagen. Aber: ich halte diese Entscheidung dennoch für bedenkenswert denn: warum haben wir eine Gesellschaft, die es den Ehrenhaften (wozu ich die Frau Käßmann nun einmal zählen möchte), nicht ermöglicht, weiter Einfluss und Macht inne zu haben und statt dessen, im Klaren darüber, dass die Heuchler und Betrüger sich auf sie stürzen werden und sie in der Luft zerreissen, sich freiwillig aus dieser Angst oder Logik heraus zurückziehen? Rein logisch, ist die Entscheidung genau richtig. Aber die Logik fusst auf den Realitäten. Und diese Realitäten sind unethisch und menschenverachtend, egoistisch und dekadent.

Ich finde es auch beispielhaft, dass es ein Thema der Kirche und der Bibel ist? Ist dieses Buch und diese Geschichte nicht voll von solchen Personen? Die Fehler machen, die es schwer haben und hatten, die bespuckt und “zerrissen” wurden und denen…in diesem Fall der “liebe Gott”, vergeben hat?
Was kann uns die Entscheidung der Frau Käßmann zeigen? Zu welcher Überlegung und Einsicht können wir kommen? Werden wir aus dieser Geschichte lernen? Werden wir verstehen, dass das Verhalten der Frau Käßmann geschichtswürdig, ja fast selbst schon biblisch ist?
Dass hier jemand seinen Fehler eingesteht und gerade deswegen vertrauenswürdig bleibt. Das dieser Frau deswegen die Menschen glauben werden? Das Frau Käßmann damit zu einer “Heiligen” wird, zu einer Märtyrerin (aber der Begriff ist zu negativ besetzt, so meine ich das nicht)?
Das ich, auch wenn sie “nur noch” predigen will, ihr dennoch mehr Macht und Einfluss zugestehe, als all jenen, die verbissen an ihrem eigenen Vorteil und ihrer Macht festhalten, was auch immer sie für einen Bockmist gebaut haben?
Bei all dem Frust und dem verlorenen Glauben an die Ethik und die Wahrhaftigkeit der führenden Klasse und Eliten in dieser Welt, bei all dieser Kraft, die mich z.B. zum schreiben eines Blogs und zur Unterstützung mehrerer Organisationen wie Campact oder Attac bewegt hat, bei all dieser Verzweiflung…
…Frau Käßmann ist eine Hoffnung, ist ein Licht am Ende des Tunnels.
Bei aller Abneigung den Kirchen und ihrer Veantwortung für all das Leid in Vergangenheit und Gegenwart der Welt, bin ich dennoch froh, dass es die Kirchen in diesen Zeiten gibt. Denn die schamlose Verhöhnung der Menschen durch die Politik erfordert einen Ruhepunkt von Wahrheit und Ehrlichkeit für die geplagte Bevölkerung.
Diese Nachfrage nach “gesunder” Ethik kann den Kirchen einen wirklichen Boost geben. Ich brauche keine austauschbaren, hochbezahlten und korrupten Lügner und Betrüger, die meinen einen demokratischen politischen Anspruch auf ihre Machtposition zu haben, ich brauche wahrhafte Menschen und Solidarität zueinander.
Ist vielleicht alles pathetisch, aber das ist meine Meinung. Naiv, oder nicht.
Um nochmal auf den Anfang zurückzukommen: warum haben wir solch eine Gesellschaft, wo die Ehrenhaften zurücktreten müssen?
Ich sehe mal voraus, dass Frau Käßmann der Anfang einer neuen Wahrhaftigkeit, Solidarität und Menschlichkeit ist. Das dies der Wendepunkt der alten, korrupten Machtverhältnisse bedeutet. Das ein Wechsel bevorsteht.
Gewalttätige Jugendliche, korrupte Politiker, vertusche Wirtschaftsverbrechen, schamlose Arbeitgeber, Neiddebatten, Vermögensscheren, soziale und kulturelle Spannungen, Medienmachtverhältnisse und die Manipulation der öffentlichen Meinung…
all diese Themen sind für mich der Hinweis, dass die Zeit gekommen ist.