„Wie schrieb der Journalistikprofessor und Blogger Jeff Jarvis kürzlich nach einer Veranstaltung mit einem deutschen Datenschützer in Berlin? “Oh, diese Deutschen.” Sie fürchteten Google, hätten aber kein Problem, sich mit einem Ausweis im Internet zu identifizieren, ja sie forderten das sogar aus Gründen der Datensicherheit. “Und mich schaudert es schon ein wenig, dass niemand zu bemerken scheint, welcher Geist allein in dem Wort ‘Ausweis’ steckt.” Immer würden ihn die Deutschen an ihre dunkle Vergangenheit erinnern, wenn es um Privatsphäre gehe, schreibt Jarvis. “Dennoch installiert ihre Regierung eine Identitätskarte mit Technologie, die jeden Amerikaner verrückt werden lässt, wenn sie nur anonym an Hosen hängt.”
Jarvis meint den berührungslos auslesbaren Chip mit RFID-Technologie. Zitat CCC: Wer sich bis Oktober keinen alten Ausweis besorge, habe nur noch die Chance, “den Chip im Ausweis zu deaktivieren”. Das bleibe folgenlos. “Denn rechtlich und faktisch ist das Ausweisdokument auch ohne funktionierenden Chip vollwertig gültig.”
Seit einigen Tagen ist das Thema des neuen Personalausweises in aller Munde. Gestern hat unser Innenminister Lothar de Maziere im ZDF tatsächlich gesagt: „irgendwelche Hacker werden immer irgendwas hacken können.…aber der neue Personausweis ist sicher!“
Erschreckend und skandalös mit welcher bornierten Ignoranz diese „Fachleute“ für Fachbereiche „verantwortlich“ und außerordentlich untauglich für den Job sind. Das gilt natürlich schon seit langem für den Herrn Maziere (ich erinnere nur an die Thematik Internetzensur und Ursel von der Leyen). Also in diesem Falle meint er sinngemäß:
- „irgendwelche Amokläufer werden immer irgendwo amoklaufen. Unsere Waffengesetze sind sicher!“ oder
- „irgendwelche Atomendlager werden immer irgendwo undicht sein. Unsere Atomendlager sind sicher!“, gleiches gilt für Atomkraftwerke.“
In Bezug auf das eingangs erwähnte Zitat von Jeff Jarvis kann man erkennen, für wie dämlich die Politik die Bevölkerung hält und was in den Mainstream-Medien ständig erfolgreich propagiert wird. Nebenkriegsschauplätze wie Google Street View werden allenthalben in den Medien und in der politischen Diskussion aufrecht erhalten, während dessen die wirklichen Probleme und Gefahren, wie hier eben der digitale Personalausweis unverhohlen als „funktionierende Lösung“ angepriesen wird.
Unverhohlen ist auch unser Innenminister, beweist er doch durch seine dummen Kommentare, wie sehr ihn diese „äußeren Meinungen“ im Plan der Politik stören. Es kann seiner Auffassung von Macht und Volk ganz einfach gar nicht sein, dass die Gedankengänge und Projekte der Regierung von außen als untauglich, dumm und völlig dilletantisch offen gelegt werden. Dumm und untauglich? Nein, warum denn auch? Die Regierung will RFID, denn so lassen sich die Leute noch besser kontrollieren.
Insofern man den Personalausweis bekommen muss (vielleicht weil man vergessen hat, den alten rechtzeitig zu bestellen), so ist es – bisher zuweilen – erlaubt den Chip auf der Karte untauglich zu machen.
Die Diskussion über RFID ist schon alt und wie groß war der Aufschrei und die Empörung über etwaige Anwendungen dieser Technik. Allein schon die Verwendung im Kaufhaus hat zu Diskussionen geführt. Und nun soll jeder so ein Ding bei sich tragen? Was ist los mit Euch?
„Der einzige “Vorteil” der RFID-Technik ist es hier, dass interessierte Kreise (Polizei, Geheimdienste, Einbrecher) unbemerkt und auf Distanz problemlos die gesamten Ausweise selbst in größeren Menschenmassen problemlos und schnell erfassen können. Egal, ob der Einbrecher mit dem Antennekoffer unauffällig die Schlange am Flughafen-Checkin nach Adressen von Häusern abklappert, in denen er ungestört einsteigen kann, oder ob die Polizei nun problemlos alle Personalien von Leuten erfassen kann, die an einer Demonstration teilnehmen (oder auch nur zufällig im Empfangsbereich sind).
Die Vorteile der RFID-Technologie sind in erster Linie interessant für Illegale oder noch nicht legalisierte Nutzungsarten. Und das macht mir Sorgen…“