alles Unsinn…ich bin müde

eigentlich war ich immer unpolitisch

Archive for the ‘Blöde Idee’ Category

Pöse Bauwirtschaft

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Was so bei den Google-News alles auf­taucht, ts ts. Ein “Bau­lei­ter” hat in Ham­burg soll doch echt 10 Bäume abge­sägt haben um ein Grund­stück im Wert zu stei­gern. Die Staats­an­walt­schaft hat dann mal eben die rest­li­chen unver­kauf­ten Woh­nun­gen geblockt:

Aus­ge­rech­net die­ser Mann, diese auf­fäl­lig gepflegte Erschei­nung mit den glän­zen­den Schu­hen zum fei­nen Sakko, zurück­ge­gel­ten Haa­ren und einem Sie­gel­ring am Finger.

Also, Bau­lei­ter sehen anders aus.

Sollte der 57-Jährige jedoch rechts­kräf­tig frei­ge­spro­chen und die Arrest­hy­po­thek wie­der auf­ge­ho­ben wer­den, so Bli­wier, werde er die Stadt in Regress neh­men. Der Pro­zess wird am 31. Januar fort­ge­setzt.

Das glaub ich aber erst­mal nicht. Bei Welt Online wirkt die Infor­ma­tion schon anders:

Es war ein gemei­ner Baum­fre­vel: Im ers­ten Halb­jahr 2008 wur­den wert­volle Bäume am Elb­hang des Sven-Simon-Parks gefällt.

Ein­deu­tig iden­ti­fi­zie­ren konnte sie den Bau­lei­ter aber nicht.

Da war das also 2008. Und bei Welt-Online konnte sie ihn nicht erken­nen. Qualitätsjournalismus.

Warum mich das inter­es­siert? Weil so ein Klein­scheiss viel­leicht ne Mel­dung wert ist, aber nicht auf Google News Seite Eins erschei­nen müsste. Ach, Bäume kann man auch anders los­wer­den. Ein ech­ter Bau­lei­ter weiß sicher auch wie.

Ins­be­son­dere kann ich es aber nicht nach­voll­zie­hen, dass die Staats­an­walt­schaft heut­zu­tage den Natur­schutz über die Exis­tenz­grund­lage der Bevöl­ke­rung stellt. Es ist also heut­zu­tage prak­tisch mög­lich, wenn Dein böser Nach­bar nebenan eine Villa baut, dass Du in der Nach­bar­schaft ein paar Bäume abholzt und dann jener Nach­bar erst­mal 2 –3 Jahre lang diese Villa nicht ver­kauft bekommt, weil der Staat ihn bestraft — obwohl — es nur Indi­zien gibt. Das dabei mal eben Fir­men kaputt­ge­macht wer­den kön­nen, inter­es­siert ja nicht.

Das paßt jetzt vie­len moder­nen Mora­lis­ten nicht, denn hier geht es ja um einen gemei­nen, gegel­ten, gold­ring­tra­gen­den “Rei­chen”, der sicher grund­sätz­lich böse, fies und unge­recht ist und der es in jedem Falle ver­dient hat. Was ich da nicht kapiere ist, dass sich das für so schlau und auf­ge­klärt hal­tende Moral­volk nicht merkt, dass es die Situa­tion genauso beur­teilt, wie der mit­tel­al­ter­li­che Dumm­kopf bei den Hexen­ver­bren­nun­gen. Durch sol­che Anek­do­ten betrachte ich den Men­schen als sol­chen anders als früher.

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Januar 13th, 2011 at 10:03 am

Schweinegrippe, die nächste Runde

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Und es geht wie­der los: dies­mal ist der mediale Druck deut­lich höher, der panik­ak­ti­vie­rende Anteil größer.

In der ers­ten Janu­ar­wo­che gab es 39 Infek­tio­nen mit dem H1N1-Virus — der höchste Wert seit Oktober.

Also hat­ten wir keine höhe­ren Zah­len in den Win­ter­mo­na­ten dazwi­schen. Klingt für mich erst­mal beruhigend.

Ins­ge­samt seien in der lau­fen­den Grip­pe­sai­son 204 Infek­tio­nen mit dem H1N1-Virus gemel­det worden

Hei­der­nei, und jetzt kommt das “aber unsere Kinder!”-Argument:

Die­sen Ver­dacht bestä­tigte auch Lothar Mau­rer vom Lan­des­ver­band der Kin­der– und Jugend­ärzte (Fran­ken­thal). Nach Anga­ben der Gesund­heits­äm­ter gibt es bis­her 13 Grip­pe­fälle bei Kin­dern und Jugend­li­chen unter 20 Jah­ren. Mau­rer hat seit der ver­gan­ge­nen Woche bereits 20 Grip­pe­fälle gemel­det, von denen sich 80 Pro­zent als H1N1– Infek­tio­nen bestä­tigt haben.

Es sind nur etwa zehn Pro­zent, die es rich­tig schwer erwischt“, sagt Mau­rer. „Das ist nur die Spitze des Eis­bergs“. Viele Kin­der zeig­ten ledig­lich leichte Sym­ptome wie Schnup­fen und wür­den von ihren Eltern in die Schule oder den Kin­der­gar­ten geschickt. Des­we­gen ver­breite sich die Schwei­ne­grippe auch so schnell. 

Die­ses Jahr krie­gen die uns! Ich bleib trotz­dem bei mei­ner Mei­nung: Panik­ma­che! Diese Argu­mente hier gel­ten weiterhin.

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Januar 13th, 2011 at 9:42 am

Parlamentarischer Wahnsinn

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Der Cicero berich­tet über die par­la­men­ta­ri­sche Vor­ge­hens­weise der Grü­nen und Lin­ken beim Ver­such der Regie­rungs­ko­ali­tion die Atom­ge­setze durch­zu­brin­gen (edit: in einem wit­zi­gen Blog hier ist der Link auch drin)

Eine Hand­habe dazu bot die Geschäfts­ord­nung des Bun­des­tags (GOBT). Die sieht näm­lich vor, dass zwi­schen der Bera­tung im Aus­schuss und der Ver­ab­schie­dung im Ple­num eine gewisse Frist lie­gen muss. Ein Gesetz kann erst „am zwei­ten Tag nach Ver­tei­lung der Beschluss­emp­feh­lung und des Aus­schuss­be­richts“ abschlie­ßend bera­ten und beschlos­sen wer­den. Die Sit­zung des Umwelt­aus­schus­ses begann am spä­ten Diens­tag­nach­mit­tag. Spä­tes­tens um 24 Uhr musste also das Votum des Gre­mi­ums als Druck­sa­che in den Fächern der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten lie­gen, damit das Gesetz wie geplant am Don­ners­tag bera­ten und ver­ab­schie­det wer­den konnte.

Die Oppo­si­tion spielte auf Zeit: Sie stellte einen Geschäfts­ord­nungs­an­trag nach dem ande­ren, und einer nach dem ande­ren wurde von der Koali­ti­ons­mehr­heit abge­schmet­tert. Zeit­weise wusste man gar nicht mehr genau, wel­che Details gerade ver­han­delt wur­den. Hinzu kam, dass die bei­den Kopier­ge­räte im Aus­schuss­se­kre­ta­riat durch einen Sabo­ta­ge­akt gezielt lahm­ge­legt wor­den waren. Unbe­kannte hat­ten nicht nur die Ste­cker gezo­gen, son­dern auch die Ver­bin­dungs­ka­bel mit­ge­nom­men. Zum Schluss ver­lor die Aus­schuss­vor­sit­zende Eva Bulling-Schröter (Die Linke) Über­sicht und Fas­sung. Sie lief wei­nend aus dem Raum, ver­schanzte sich auf der Damen­toi­lette und ward nicht mehr gesehen.

Da wur­den mal eben Kopie­rer­ka­bel geklaut, besof­fene Bun­des­tags­mit­glie­der ver­sperr­ten die Wege zu den Post­fä­chern und Grüne ver­gli­chen das Durch­set­zen der Regie­rung gegen das kin­di­sche Spiel mit ukrai­ni­schen Gepflogenheiten:

Was wir am Diens­tag im Umwelt­aus­schuss erlebt haben, war ein Putsch gegen die Rechte der Oppo­si­tion“, wet­terte zwei Tage spä­ter der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Vol­ker Beck im Ple­num. Sein Frak­ti­ons­chef Trit­tin stieß ins glei­che Horn: „Sie haben die Par­la­men­ta­rier in ihren Rech­ten behin­dert!“, rief er dem CDU-Abgeordneten Peter Alt­maier zu. „Sie haben die Vor­sit­zende hin­aus­ge­mobbt! Sie haben sich wie im ukrai­ni­schen Par­la­ment aufgeführt!“

Rich­tig ukrai­nisch ging es aller­dings erst nach der Aus­schuss­sit­zung zu. Eine Gruppe von Linken-Abgeordneten, deren Anfüh­rer, ein Werk­zeug­ma­cher aus Jena, wie Augen­zeu­gen spä­ter berich­te­ten, „stark nach Alko­hol roch“, stellte sich den Saal­die­nern des Bun­des­tags in den Weg, als diese die Fächer mit den Druck­sa­chen fül­len woll­ten. Es kam zu Hand­greif­lich­kei­ten, die Bun­des­tags­po­li­zei musste ein­schrei­ten. Die Sache wurde zwar akten­kun­dig, aber bis­lang unter der Decke gehalten.

Krea­tive Demo­kra­tie nen­nen die sowas.

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Dezember 22nd, 2010 at 9:52 pm

Ist Wikileaks ein Demokratie-Irrtum?

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Wiki­leaks ist ja grade ein rie­sen Thema. Ich bin zwar der Mei­nung, dass jeg­li­cher Ver­such ein eta­blier­tes Macht­mo­dell durch “offen gelegte Infor­ma­tio­nen” zu schwä­chen ganz gewal­tig nach hin­ten los­geht, aber das ist hier noch nicht ein­mal von Belang. Zwar wird das dem “Nor­mal­bür­ger” sug­ge­riert, doch was steckt denn schon inhalt­lich in den Wikileaks-Informationen drin, bzw. was ist daran denn nun wirk­lich geheim (im Sinne von staatsgefährend)?

Eher nix.

Des­we­gen halte ich den Wiki­leaks Hype für eben einen sol­chen. Der sich für bes­ser infor­miert hal­tende Netz­bür­ger freut sich hämisch über die angeb­lich wesent­li­chen Pat­zer und Pein­lich­kei­ten, doch die Geheim­dienste inter­es­sie­ren sich wei­ter­hin für die wirk­lich wich­ti­gen Dinge und die blei­ben dann auch geheim. In den Wikileaks-Depeschen liest man nichts von Abspra­chen zwi­schen Nord– und Süd­ko­rea, Kun­ge­leien zwi­schen Russ­land, Geor­gien und der ver­trag­lich heik­len Zusam­men­hänge des Natop­akts. Auch von angeb­li­chen “Bil­der­ber­gern” und NWO-Verschwörungstheoriefakten lässt sich nichts erken­nen (wohl weil es keine gibt). Und ob Osama bin Laden nun an der Dia­lyse in Lon­don, tot in einer Höhle in Pakis­tan oder am son­nend am Strand in Tel Aviv liegt, auch diese Fra­gen wer­den uns dort nicht beantwortet.

Alles in allem also ein Sturm im Was­ser­glas. Aber — um wie­der auf die “sich für bes­ser infor­mier­ten Netz­bür­ger” zurück zu kom­men — all die Lin­ken, Mar­xis­ten, Sonstwie-Alle-Gewalt-Geht-vom-Volke-aus-Träumer, die sich auf sol­che Pseu­do­wich­tig­kei­ten stür­zen in der längst gestor­be­nen Hoff­nung, end­lich gäbe es einen Wan­del soll­ten sich mal über den eige­nen “Mora­lis­mus” Gedan­ken machen und über­le­gen mit_was_ sie es eigent­lich zu tun haben.

Das hat der Tages­spie­gel hier ganz gut zusam­men­ge­fasst:

Rich­tig, es gibt Machen­schaf­ten, die unse­rem mora­li­schen Emp­fin­den wider­stre­ben, von denen ohne Wiki­leaks nie­mand erführe. Doch in der Hoff­nung, dass sie durch ihre Ver­öf­fent­li­chung aus der Welt ver­schwän­den, ste­cken gleich drei Irr­tü­mer. Ers­tens: dass sich jeder Sach­ver­halt ein­deu­tig beschrei­ben lässt. Zwei­tens: dass jede Beschrei­bung zu einer ein­deu­ti­gen mora­li­schen Beur­tei­lung führt. Drit­tens: dass sich durch Ein­sicht ins mora­li­sche Urteil jeder zur ange­mes­se­nen Hand­lung ver­lei­ten lässt.

Genau so ist es. Und es bleibt dabei: auch wenn das “Volk” eine direk­tere Ent­schei­dungs­ge­walt hätte: die Mehr­heit bekommt immer die geschick­ter geführte (oder die bes­ser bezahlte) Kam­pa­gne. Und wie sehr man die Bevöl­ke­rung mit dau­er­haf­ter Ver­schwö­rungs­du­de­lei grenz­psy­cho­ti­sie­ren kann ist ja gut in den ein­schlä­gi­gen Blog­ger­krei­sen nach­zu­le­sen. Wer es dabei nicht schafft einen gesun­den Abstand zum Infor­ma­ti­ons­ge­halt und des­sen emo­tio­na­len Ein­fluß zu bewah­ren, der könnte wohl jeg­li­ches Ver­trauen in irgend­was  verlieren.

Was ich zu Anfang mei­ner Blog­ger­zeit noch im Zuge der Inter­net­zen­sur­ge­setze und den damit ver­bun­de­nen Gefah­ren als völ­lig legi­tim und demo­kra­tie­un­ter­stüt­zend ver­stan­den habe (und bei Ursel von der Leyen hat sich bei mir auch nix geän­dert), dass sehe ich jetzt durch den Wahl­kampf und die poli­ti­schen Irre­füh­run­gen der Oppo­si­ti­ons­par­teien am Bei­spiel des Pro­jek­tes S21 ein wenig dif­fe­ren­zier­ter. Auch wenn Map­pus bei den Räu­mun­gen der Demons­tra­tio­nen blöde Feh­ler gemacht hat, so sehe ich die Gefahr im Ego­is­mus der Oppo­si­tion, diese Feh­ler für sich gewinn­brin­gend (nicht für die Bevöl­ke­rung gewinn­brin­gend) aus­zu­schlach­ten. Die Grü­nen ändern nichts — das sieht man wenn sie an der Regie­rung sind — doch sie schei­nen bereit zu sein das Volk sich selbst soweit ansta­cheln zu las­sen bis Blut fliesst.

Da stelle ich mir die Frage — eta­blier­ter Lob­by­is­mus hin oder her — wer dem Volk weni­ger schadet.

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Dezember 20th, 2010 at 6:02 pm

Naturschutzposse

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Pech, wenn an sei­ner Haus­wand Schwal­ben­nes­ter kle­ben. Dumm, wenn Du ein Baby in einem Kin­der­zim­mer dort lie­gen hast, dass dann wegen dem Schwal­ben­lärm nicht mehr schla­fen kann. Ärger­lich, wenn Du Nach­barn hast, die Dich foto­gra­fie­ren, wenn Du die Schwal­ben­nes­ter vom eige­nen (in dem Falle Miets-) Haus entfernst.

Du machst Dich näm­lich straf­bar und darfst 600 Euro Strafe zah­len. Und bekommst den Tipp am bes­ten eine andere Woh­nung zu mie­ten. Eine ohne Schwalbennester:

Der Amts­rich­ter Horst Vie­weg zeigte gro­ßes Ver­ständ­nis für die Situa­tion des Fami­li­en­va­ters. “Der Lärm der Vögel am frü­hen Mor­gen, der Dreck und dann zwei kleine Kin­der im Haus, das geht gar nicht.” Trotz­dem sei die Rechts­lage ein­deu­tig. “Auch wenn es für Sie unzu­mut­bare Ver­hält­nisse sind, Sie dür­fen die Nes­ter nicht ent­fer­nen, recht­lich ist da nichts zu machen”, sagte Vie­weg. Er riet dem Fami­li­en­va­ter, aus der Woh­nung in einer umge­bau­ten Scheune aus­zu­zie­hen. “Sie woh­nen da nur zur Miete. Suchen Sie sich eine neue Woh­nung. Eine andere Mög­lich­keit gibt es lei­der nicht”, erklärte der Richter.

Würd mich inter­es­sie­ren, ob ich sowas in mei­nen Miet­ver­trä­gen irgend­wie aus­schlies­sen kann. Oder um wie­viel mein Miet­wert sinkt, wenn das Haus mit Schwal­ben­nes­tern “kon­ta­mi­niert” ist.

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Oktober 29th, 2010 at 9:22 am

Stuttgart 21: neu im Bahnshop

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Der Beweis: Dritte pro­fi­tie­ren vom Streit der Geg­ner gegen die Befür­wor­ter. Die Welt ist schlecht! Ste­cken da viel­leicht die Bil­der­ber­ger dahinter?

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Oktober 12th, 2010 at 12:52 pm

SpON und weiterer S21-Bashing Bullshit

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Ja lei­der. Es ist ein Rie­sen­thema, auch wenn die Islam­frage sich in den Mel­dun­gen wie­der lang­sam nach oben drän­gelt. Der Spie­gel hat in sei­ner Online­aus­gabe Weis­hei­ten zu den Kos­ten von Stutt­gart 21 ver­öf­fent­licht und wie man hier sehen kann, wird sich die Meute auf die “neuen Infor­ma­tio­nen” het­zen. Hier ist nun meine Meinung:

Spar­vor­schläge exis­tie­ren nur auf dem Papier

Auf Basis einer “Markt– und Ver­ga­be­ana­lyse”, bei der die Stutt­gar­ter Pläne mit ande­ren Tun­nel­bau­ten des Kon­zerns abge­gli­chen wur­den, dürfe man bei­spiels­weise 598 Mil­lio­nen Euro herausstreichen.

Der SpON mel­det also, die Bahn habe Kos­ten ande­rer Pro­jekte zum Ver­gleich hin­zu­ge­zo­gen. Die Bahn? Aus­ge­rech­net die, bei der ja sowieso alles immer teu­rer wird? Ja, tat­säch­lich. Ja ist es denn nun plau­si­bel teu­rere Ver­gleichs­kos­ten her­an­zu­zie­hen? Eigent­lich schon…oder hät­ten die bil­li­gere Kos­ten ein­set­zen sollen?

Wei­tere 294 Mil­lio­nen an Ein­spa­rungs­mög­lich­kei­ten hat die Bahn bei der “Opti­mie­rung der Bau­werke” iden­ti­fi­ziert. Ein “gerin­ge­rer als ange­nom­me­ner Quell­druck” in den unter­ir­di­schen Stre­cken­tei­len habe zudem “Aus­wir­kung auf die benö­tigte Stahl­menge in den betrof­fe­nen Tun­nel­bau­wer­ken”. Das heißt: Deren Wände könn­ten ein­fach dün­ner gebaut wer­den. So brauchte man weni­ger teu­ren Stahl. Und das “ohne Beein­träch­ti­gung der Qua­li­tät und Sicher­heit”, ver­si­cher­ten die Planer.

Da schreibt der SpON Blöd­sinn: die Stahl­menge wird redu­ziert nicht die Wand­stärke. Das steht sogar im glei­chen Text. Ver­stan­den haben sie es anschei­nend nicht. Spricht sehr für die Qua­li­tät des Artikels.

Eine for­mi­da­ble Streich­liste also. Ihr Schön­heits­feh­ler: Die Spar­vor­schläge exis­tie­ren nur auf dem Papier.

Nun werd ich aus mei­ner Erfah­rung mit der Kos­ten­steue­rung von Bau­pro­jek­ten lang­sam ner­vös und beginne auf mei­nem Ses­sel rum­zu­rut­schen. Schlecht für meine Hose.

Das tun Spar­vor­schläge und Ein­spar­po­ten­tiale immer! Was bitte soll diese For­mu­lie­rung bedeu­ten, außer dem Wunsch beim Leser die Inter­pre­ta­tion “die Spar­vor­schläge gibt es nicht in Wirk­lich­keit!” zu erzeu­gen; Der SpON Bericht erwähnt doch ein­deu­tig den “gerin­ge­ren als ange­nom­me­nen Quell­druck” und die damit zusam­men­hän­gende Ein­spa­rung an Beweh­rungs­stahl. Eine vor­sich­tige Pla­nung führte durch güns­ti­gere Rea­li­tät zu Ein­spa­rung. Was soll daran pro­ble­ma­tisch sein, außer man schenkt den Zah­len — dann aber ohne fak­ti­sche Zusam­men­hänge zu lie­fern, also durch Pole­mi­sie­rung — kei­nen Glauben.

Zum einen wur­den sie “ohne ver­tiefte Pla­nung abge­schätzt”, wie die Bahn in der Auf­lis­tung ein­räumt. Zum ande­ren sind “zur Rea­li­sie­rung die­ser Punkte zum Teil die Zustim­mung des Eisen­bahn­bun­des­am­tes, der Archi­tek­ten, der Pro­jekt­pla­ner, der Bau­her­ren und Gut­ach­ter notwendig”.

Selbst­ver­ständ­lich bedeu­ten Ände­run­gen in der Kos­ten– und Ent­wurfs­pla­nung inso­fern sie EBA-relevante Kri­te­rien ent­hal­ten eine erneute Prü­fung und Zustim­mung. Ent­schul­di­gung, aber man kann anhand einer Sta­ti­schen Berech­nung die Stahl­men­ge­n­er­spar­nisse völ­lig ohne “ver­tiefte Pla­nung” abschät­zen. Das tut man ja auch bei ande­ren Bau­maß­nah­men. Das Sta­tik und Ent­wurf ent­spre­chend ange­passt wer­den müs­sen ist doch logisch und üblich. Ich ver­stehe den Hin­ter­grund die­ser Aus­sa­gen des SpON nicht, außer wie­der Pole­mik und feh­len­der Sachverstand.

Soll hei­ßen: Für keine der Ände­run­gen ist bis­lang eine Geneh­mi­gung erteilt wor­den. Auf Nach­frage musste die Bahn ver­gan­ge­nen Don­ners­tag gar erklä­ren, dass ent­spre­chende Anträge, etwa beim Eisen­bahn­bun­des­amt, über­haupt noch nicht gestellt wur­den. Bis jetzt seien “noch keine Auf­träge für den Tun­nel­bau ver­ge­ben wor­den, ent­spre­chend gibt es auch noch keine Aus­füh­rungs­pla­nun­gen”. Ein kon­kre­ter Zeit­punkt für die Ver­gabe könne der­zeit nicht genannt wer­den, sagte eine Spre­che­rin, anvi­siert sei 2011.

Auch hier wird wie­der etwas so dar­ge­stellt, als liefe es aus dem Ruder. Fakt ist: Aus­füh­rungs­pläne wer­den durch den Auf­trag­neh­mer erstellt und kön­nen erst dann durch das EBA geprüft und frei­ge­ge­ben wer­den. Die bis­he­rige Ter­mi­ni­sie­rung der ein­zel­nen Plan­fest­stel­lungs­ab­schnitte könnte zum Bei­spiel dazu füh­ren, dass Anträge eben noch nicht ein­ge­reicht wur­den. Viel­leicht eben auch, weil es noch Kos­ten­ver­än­de­run­gen durch neuere Erkennt­nisse (die sich im Pla­nungs­ver­lauf jedes Pro­jek­tes eben auch ver­än­dern) gibt und die Bahn nicht wider bes­se­rem Wil­len Anträge an das EBA stellt (was per­so­nell sowieso unter­be­setzt ist). Aus die­ser Sicht­weise lese ich lei­der kei­nen Arti­kel in den Medien!

Nütz­lich erscheint ein Ver­gleich der neu her­un­ter­ge­rech­ne­ten Kos­ten für Stutt­gart 21 mit jüngs­ten Tun­nel­bau­pro­jek­ten der Bahn: So wird etwa der City­tun­nel Leip­zig rund 900 statt der ange­streb­ten 572 Mil­lio­nen Euro kos­ten. Dabei misst der Bau gerade mal 4010 Meter, in Stutt­gart sind allein in der Stadt 33 Kilo­me­ter Tun­nel in zum Teil schwie­rigs­tem Gestein zu gra­ben. Doch die Bahn besteht dar­auf, dass die Pro­jekte nicht mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den könnten.

Auch da wird wie­der pole­misch ver­mischt was nicht ver­misch­bar ist. Hier sollte der SpON prü­fen wel­cher Bau­grund beim Leip­zi­ger Tun­nel vor­han­den ist und ob die dort aus­ge­führ­ten Maß­nah­men mit den geplan­ten bei S21 zusam­men­pas­sen. Das der SpON das nicht will oder kann, macht die­ser Arti­kel vom SpON ja mehr als deutlich.

Wenn diese Ein­spa­run­gen nicht rea­li­sier­bar sind, hat die Bahn ein dickes Pro­blem”, warnt der Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Uwe Beck­meyer. Der Sozi­al­de­mo­krat aus Bre­men beklagt bei dem Schie­nen­kon­zern “einen Rück­fall in alte kom­mu­ni­ka­tive Mus­ter jen­seits von Trans­pa­renz und Dialogbereitschaft”.

Wenn Ein­spa­run­gen nicht rea­li­sier­bar sind hat jeder der baut ein Pro­blem. Eine wich­tige Weis­heit, auf die uns der Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Beck­meyer, SPD dort hin­weist. Den Spruch kann er sich spa­ren. Warum Beck­meyer von den vor­ge­nann­ten Din­gen auf einen Rück­fall in alte kom­mu­ni­ka­tive Mus­ter ver­fällt, lässt sich aus den hin­ter­frag­ten Infor­ma­tio­nen des Arti­kels auch nicht nach­voll­zie­hen. Ich denke es geht ihm, wie den Grü­nen um Wäh­ler­stim­men. Des­we­gen schließt er sich dem Unsinn der so ver­brei­tet wird und bei kon­kre­ten Ant­wor­ten kei­nen Bestand hat an.

Der Auf­sichts­rat der Bahn hätte die­sen Kal­ku­la­tio­nen nie­mals zustim­men dür­fen, ohne Belege dafür ein­zu­for­dern”, sagt der Grünen-Politiker Win­fried Hermann.

Auch die­ser Satz klingt sehr lus­tig. Zeigt er doch auf, dass Her­mann über­haupt nicht weiß, wovon der denn da redet. Die Zah­len wur­den anhand ver­glei­chen­der Maß­nah­men hin­zu­ge­zo­gen und die Anpas­sun­gen an den Bestands­da­ten (Quell­druck, s.o.) erge­ben neue Zah­len. Was für Belege meint er? Einen Lie­fer­schein? Einen Park­platz­zet­tel? Einen Kontoauszug?

Nun, wie ich meine, wer bei Psy­cho­lo­gen und Betriebs­wir­ten ohne Inge­nieur– und Sach­ver­stän­di­gen­nach­weis soge­nannte Gut­ach­ten ein­kauft um Pla­nun­gen von werk­ver­trag­lich gebun­de­nen und ver­pflich­te­ten Planungs-Ingenieurbüros in Frage zu stel­len und diese Gut­ach­ter selbst weder jemals etwas gebaut noch etwas haben bauen las­sen, dem ver­mag ich keine Seriö­si­tät in sei­nen Aus­sa­gen abringen.

 

Der Vor­sit­zende des Ver­kehrs­aus­schus­ses im Deut­schen Bun­des­tag hat in der ver­gan­ge­nen Woche in einer par­la­men­ta­ri­schen Anfrage der Bun­des­re­gie­rung 59 Fra­gen zu Stutt­gart 21 und der Neu­bau­stre­cke Wendlingen-Ulm gestellt. Er sorgt sich um die Sicher­heit der Tun­nel­bau­ten vor allem bei dün­ne­ren Wänden.

Auch hier ver­steht der Grüne nicht, was der SpON schon nicht kapiert hat: weni­ger Stahl heißt nicht dün­nere Wände. Lai­en­gre­mien gehen mir tie­risch auf den Sen­kel vor allem wenn sie Stim­mung machen können.

Wir sol­len sichere Tun­nel bauen, aber keine Bun­ker”, begeg­net Bahn-Vorstand Grube sol­chen Beden­ken selbst­be­wusst. In puncto Sicher­heit gäbe es für ihn “kei­nen Zehn­tel­mil­li­me­ter Spielraum”.

Keine Bun­ker des­we­gen, weil alle meckern es sei ja so teuer, aber die Bahn trotz­dem nichts in zu dicken Wän­den zu ver­schen­ken hat. Der SpON sollte ein­fach mal einen Trag­werks­pla­ner fra­gen und keine Pseudofachleute.

Dass das Eisen­bahn­bun­des­amt der tech­ni­schen Abrüs­tung von Stutt­gart 21 einen Per­sil­schein aus­stellt, ist nicht zu erwar­ten. Bei einem Teil­stück, dem knapp zehn Kilo­me­ter lan­gen Fil­der­tun­nel, for­derte das Amt die Bahn bereits zu teu­ren Nach­bes­se­run­gen auf. Dem­nach muss der Bau­herr nun alle 500 Meter Ret­tungs­stol­len zwi­schen den Tun­nel­röh­ren anle­gen — statt wie geplant alle 1000 Meter.

Ob und inwie­fern das EBA als prü­fende und geneh­mi­gende Behörde sich durch den media­len Druck nun nicht mehr bereit erklärt völ­lig übli­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ein­zu­ge­ste­hen kann ich nicht sagen. Aber diese fal­schen pole­mi­schen Fehl­in­for­ma­tio­nen der Presse füh­ren eben auch dazu, dass das Pro­jekt teu­rer wird. Das schreibt aber nie­mand! Unab­hän­gig davon wäre noch wich­tig her­aus­zu­fin­den, ob die Ver­kür­zung der Ret­tungs­stol­len­ab­stände eine aktua­li­sierte Auf­lage der Gesetz­ge­bung ist. Inter­es­sant ist auf jeden Fall auch, dass sich der Arti­kel hier — wie immer — auf den 9,9 km lan­gen Fil­der­tun­nel bezieht und nicht auf die rest­li­chen Tun­nel der Stre­cke. In die­sem Fil­der­tun­nel ist auch die Falsch­in­for­ma­tion zu den 4,05m _Durchmesser (sic!) auf­ge­fal­len, ebenso wie die fal­schen Behaup­tun­gen, es gäbe keine Ober­lei­tung und keine Leit und Sicherungstechnik.

Quel­len hier: PFA Fil­der­tun­nel: http://www.das-neue-herz-europas.de/…/2005_Planfeststellungsbeschluss-Abschnitt_1.2-Fildertunnel.pdf

Ver­wen­dete Leit und Siche­rungs­tech­nik im deutsch-europäischen Kontext:

1. http://eisenbahn.wikia.com/wiki/Schnellfahrstrecke

Written by admin

Oktober 11th, 2010 at 4:57 pm

Stuttgart 21 und worum gehts hier eigentlich?

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Ach herrje, da ist ja mal wie­der was los. In die­sen Tagen pro­tes­tie­ren viele Men­schen gegen das Pro­jekt Stutt­gart 21. Nun, es pro­tes­tie­ren viele Men­schen. Jetzt meine ich aber mal, dass diese vie­len Men­schen ja nicht unbe­dingt gegen _das Projekt_ pro­tes­tie­ren, son­dern gegen viele andere Dinge. Gegen Kor­rup­tion. Gegen Staats­ge­walt. Gegen feh­lende Demo­kra­tie. Gegen Schmutz und Fein­staub. Für eine bes­sere Welt. Gegen Rechts. Für die Lin­ken. Für die Grü­nen. Gegen Hartz IV, Gegen 5 Euro, Gegen Inter­net­zen­sur, gegen die HRE, Für ein ande­res Kon­zept. Für eine andere Ver­tei­lung des Gel­des. Gegen Stu­di­en­ge­büh­ren. Gegen die Ban­ken­krise. Für den Juchtenkäfer…usw…usf. Und stell­ver­tre­tend hier­für wird gegen S21 protestiert.

Und scheisse ja, es ist ein Wust an Mei­nun­gen und Phi­lo­so­phien die sich dort tref­fen. Zum einen ange­pisste Bewoh­ner, die mer­ken dass da viel­leicht doch noch was geht und dem Zug in die unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten noch­mal zustei­gen wollen…

…oder es nut­zen alle Inter­es­sen­ten über­all im Land die jewei­lige Stim­mung aus, um den eige­nen — bis­her wohl ver­lo­re­ne­ren Pos­ten — ein wenig aufzubessern.

Sei es nun, indem sie als Oppo­si­tion gegen die Regie­rungs­par­tei anstin­ken, sei es, dass sie sich noch ein Stück­chen vom fet­ten Bun­des­bud­get­ku­chen abgrei­fen wollen.

So wünscht sich Hei­del­berg seine ICE Stre­cke, genauso wie Bens­heim und Darm­stadt. Jeder daher­ge­lau­fene Lokalt­öl­pel ver­arscht die Wäh­ler dar­über, wie “wich­tig für den infrak­struk­tu­rel­len Fort­schritt” aus­ge­rech­net ihres Bau­ern­dor­fes diese Maß­nahme wäre. Und klar, wer den wählt, dem legt Grube sein ICE Bahn­gleis direkt neben die Pferdescheuer.

Und sowas kotzt mich eben an. Ja, es kotzt mich an, weil Dinge wie damals die Sache mit BP, oder hier beim Feyn­sinn und der “Geheim­rä­tin” zu gar nichts füh­ren, weil die Leute in den Blogs mei­ner Erfah­rung nach zwar alle wütends schimp­fen aber dann wenns drum geht, sowas von Stille sind und den Schwanz ein­zie­hen. Ne feige Bande eben, genauso hohl und leer wie der Rest des dum­men Wäh­ler­vol­kes. Regt sich ewig auf, schreibt und beschwert sich gegen leere Wände. Ver­steht aber nicht das Sys­tem und sich darin ein­zu­brin­gen. Pariert nicht an den Stel­len die tak­tisch sinn­voll sind. Zer­fled­dert sich in Ein­zel­mei­nun­gen: hier der Leni­nist, dort der Mar­xist, da ein Grün­f­in­ken­freund, hier der Vollkornbäcker.

Zeit­weise könnt sich mir das Hirn ver­drehn, wenn sich in den Dis­kus­sio­nen im Netz allent­hal­ben stän­dig neue Fäs­ser öffnen. Dann krie­chen wie­der die Gesamt-Gesellschafts-Infragesteller aus ihren dre­cki­gen Löchern und bal­lern ihren Phi­lo­so­phi­schen Schmon­zes raus.

Glaubt Ihr ernst­haft dass das

  • a. jemand liest und
  • b. jemand ver­steht und
  • c. jeman­den interessiert?

wie unge­schickt muss man denn sein, wenn man was ändern will aus­ge­rech­net die Leute voll­zu­sab­beln und vom Volk einen kogni­ti­ven Sprint zu ver­lan­gen, den Hans und Franz im Leben nie nicht erbrin­gen zu sein jemals in der Lage sein wer­den und erst recht nicht wol­len? Die muss man sich anders kau­fen! So wie die Poli­ti­ker. G’schichten erzähln. Fuß­ball­er­geb­nisse und Trainerstories.…traatsch und klatsch und böses Aus­land und andere Kul­tu­ren, kapi­ern wir nicht und wolln wir nicht und über­haupt. Zwi­schen­zeit­lich war ein Event von Attac in Frank­furt wegen der Sache mit der Ban­ken­krise und den Medien wars ein Augen­schlag wert. Lohnt sich ja auch nicht, weil sich alle Pro­test­ler aus­ge­rech­net beim Fäl­len von Bäu­men addie­ren. Als ich im Radio diese betrof­fe­nen Leute gehört hab, wie sie sich — situa­ti­ons­be­dingt völ­lig auf­ge­bracht — heu­lend über das böse Maschi­nen­ding da beschwer­ten und dass sie “sowas schlim­mes­noch nie erlebt” hät­ten, ja da musste ich fast sel­ber weinen.

edit: eine gewisse Menge gelöscht.

Also worum geht’s der lan­gen Rede kur­zer Sinn: ich reg mich über diese Heuch­le­rei auf. wie es ein Kom­men­tar beim Spie­gel­fech­ter (link folgt unten) so gut rüberbringt:

Blacksky schrieb am 2. Okto­ber 2010

Wo wart ihr bra­ven Schwa­ben als es um Stu­di­en­ge­büh­ren, Ban­ken­ret­tungs­pa­ket, Hart­zIV. ging?

WO WART IHR?

Es hatte euch nicht die Bohne inter­es­siert denn da haben lang­haa­rige Bom­ben­le­ger, Stu­den­ten­köppe und Unter­schicht­ler pro­tes­tiert, das sind ja alles keine Men­schen aus eurer Sicht.

Wenn ich heute was vom Pro­test der Mitte, der Gut­bür­ger­li­chen höre dann kann ich gar nicht soviel Fres­sen wie ich Kot­zen möchte. Jetzt könnt ihr am eigene Leibe erfah­ren wie mies die­ses Land gewor­den ist. Vor­her habt ihr uns nur Ver­ach­tung ent­ge­gen­ge­bracht, den Stu­den­ten­köp­pen, lang­haa­ri­gen Bom­ben­le­gern und Unter­schicht­lern, für was für einen Mist demons­trie­ren die auch was geht mich das an der ich in mei­nem schö­nen Stutt­gart wohne?

Das meine ich. Alle Mei­nun­gen fin­den zuein­an­der, ein rie­sen Chaos, alle wol­len Pro­fi­tie­ren doch dem wah­ren Gedan­ken “die Dinge zu ver­bes­sern für das Volk” ist nicht gehol­fen. Wie­der nur wol­len Ein­zelne sich erhö­hen und Vor­teile aus­ar­bei­ten. Um “das Volk” geht es dabei kei­nem. Jeder nur für sich. Das ist ja das Fatale.

Wie sich sowas schrift­lich äußert kann man hier zum Bei­spiel beim Spie­gel­fech­ter oder beim Feyn­sinn lesen. Kacke mann, ich ärger mich, dass ich da soviel in den Kom­men­ta­ren geschrie­ben habe und das als ein­zige Doofnase die auch noch aus­ge­rech­net bei der Bahn arbei­tet und ja um Him­mels Wil­len, auch noch genau in die­sem Projekt.

Da steckt zum einen Pfef­fer drin, weil ich mir sel­ber einen rie­sen Ärger damit machen kann. Dabei ist es mir Wurscht, ob die nun S21, K21 oder die schwäb­sche Bim­mel­bahn hin­baun wol­len. Haupt­sa­che ich hab G’schäft wie man so schön sagt. Eine Plan­ver­än­de­rung freut ja meis­tens alle Betei­lig­ten. Aber wem erzähl ich das.

PS: und wisst Ihr was? Im März 2011 wählt das Land trotz­dem die CDU, weils beque­mer ist und weil die Wirt­schaft “kommt” wenn die CDU regiert. So sieht das aus. Und die Leute da — trotz all der bösen Baum­fäll­ma­schi­nen und dem bösen Pfef­fer­spray — die wis­sen das. Die _arbeiten_ näm­lich da. Und die wis­sen was es bedeu­ten würde, wenn es nicht die CDU wär…

aber dann..wär da unten gar nix mehr los. Weil Auf­ruhr gibts bei Hartz IVlern nicht.

Wir dürfen keinen Strom aus Wasser bekommen…

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…weil unsere Junta die Atom­wirt­schaft bevor­zugt. Auch wenn wir aus Nor­we­gen Strom aus Was­ser­kraft erhal­ten kön­nen (und das kön­nen wir), so regelt die Netz­ver­sor­gung, dass Atom­strom bevor­zugt ein­ge­speist wird. Sollte also Atom­strom anste­hen, so wer­den alter­na­tive Ener­gie­quel­len nicht mehr eingespeist:

Theo­re­tisch könnte nor­we­gi­sche Was­ser­kraft den Strom von 60 euro­päi­schen Atom­kraft­wer­ken erset­zen. Doch dazu braucht man Lei­tun­gen durch die Nord­see. Aber schon beim ers­ten Kabel gibt es da ein Problem.

Nor­Ger fällt nicht unter die deut­sche Kraft NAV, die Kraft­werks­netz­an­schluss­ver­ord­nung. Darin ist gere­gelt, dass Kraft­werke stän­dig Strom ins Netz ein­spei­sen dür­fen. Aber eben nur Kraft­werke, nicht See­ka­bel. Und des­halb kann sich Nor­Ger nicht dar­auf ver­las­sen, immer Zugang zum Netz zu bekommen.

Ohne Rege­lung könnte der Strom aus Nor­we­gen ein­fach abge­klemmt wer­den, so wie schon heute Wind­kraft­an­la­gen abge­hängt wer­den, wenn zu viel Atom­strom das Netz blo­ckiert. Zustän­dig ist Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Rai­ner Brü­derle. Er müsste der Kraft NAV nur das Wort “See­ka­bel” hin­zu­fü­gen. Doch das Minis­te­rium schreibt an Nor­Ger, man sehe der­zeit “kein Änderungsbedarf”.

Bil­lige nor­we­gi­sche Was­ser­kraft im Über­fluss. Nur nicht für Deutsch­land. Weil der Zugang zum Netz nicht gere­gelt ist.

Erzähl doch bitte kei­ner mehr was von bil­li­gem Atom­strom und “unzu­rei­chen­den” alter­na­ti­ven Ener­gien. Das ist kri­mi­nel­ler Lob­by­is­mus pur. Kri­mi­nell des­we­gen, weil diese Mas­sen­mör­der in spe die Risi­ken genau ken­nen und für ihre Boni über Mil­lio­nen Lei­chen gehen werden.

Written by admin

September 23rd, 2010 at 10:28 am

Der neue Personalausweis

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Wie schrieb der Jour­na­lis­tik­pro­fes­sor und Blog­ger Jeff Jar­vis kürz­lich nach einer Ver­an­stal­tung mit einem deut­schen Daten­schüt­zer in Ber­lin? “Oh, diese Deut­schen.” Sie fürch­te­ten Google, hät­ten aber kein Pro­blem, sich mit einem Aus­weis im Inter­net zu iden­ti­fi­zie­ren, ja sie for­der­ten das sogar aus Grün­den der Daten­si­cher­heit. “Und mich schau­dert es schon ein wenig, dass nie­mand zu bemer­ken scheint, wel­cher Geist allein in dem Wort ‘Aus­weis’ steckt.” Immer wür­den ihn die Deut­schen an ihre dunkle Ver­gan­gen­heit erin­nern, wenn es um Pri­vat­sphäre gehe, schreibt Jar­vis. “Den­noch instal­liert ihre Regie­rung eine Iden­ti­täts­karte mit Tech­no­lo­gie, die jeden Ame­ri­ka­ner ver­rückt wer­den lässt, wenn sie nur anonym an Hosen hängt.”

Jar­vis meint den berüh­rungs­los aus­les­ba­ren Chip mit RFID-Technologie. Zitat CCC: Wer sich bis Okto­ber kei­nen alten Aus­weis besorge, habe nur noch die Chance, “den Chip im Aus­weis zu deak­ti­vie­ren”. Das bleibe fol­gen­los. “Denn recht­lich und fak­tisch ist das Aus­weis­do­ku­ment auch ohne funk­tio­nie­ren­den Chip voll­wer­tig gültig.”

Seit eini­gen Tagen ist das Thema des neuen Per­so­nal­aus­wei­ses in aller Munde. Ges­tern hat unser Innen­mi­nis­ter Lothar de Maziere im ZDF tat­säch­lich gesagt: „irgend­wel­che Hacker wer­den immer irgend­was hacken können.…aber der neue Per­son­aus­weis ist sicher!“

Erschre­ckend und skan­da­lös mit wel­cher bor­nier­ten Igno­ranz diese „Fach­leute“ für Fach­be­rei­che „ver­ant­wort­lich“ und außer­or­dent­lich untaug­lich für den Job sind. Das gilt natür­lich schon seit lan­gem für den Herrn Maziere (ich erin­nere nur an die The­ma­tik Inter­net­zen­sur und Ursel von der Leyen). Also in die­sem Falle meint er sinngemäß:

  • irgend­wel­che Amok­läu­fer wer­den immer irgendwo amok­lau­fen. Unsere Waf­fen­ge­setze sind sicher!“ oder
  • irgend­wel­che Atom­end­la­ger wer­den immer irgendwo undicht sein. Unsere Atom­end­la­ger sind sicher!“, glei­ches gilt für Atomkraftwerke.“

In Bezug auf das ein­gangs erwähnte Zitat von Jeff Jar­vis kann man erken­nen, für wie däm­lich die Poli­tik die Bevöl­ke­rung hält und was in den Mainstream-Medien stän­dig erfolg­reich pro­pa­giert wird. Neben­kriegs­schau­plätze wie Google Street View wer­den allent­hal­ben in den Medien und in der poli­ti­schen Dis­kus­sion auf­recht erhal­ten, wäh­rend des­sen die wirk­li­chen Pro­bleme und Gefah­ren, wie hier eben der digi­tale Per­so­nal­aus­weis unver­hoh­len als „funk­tio­nie­rende Lösung“ ange­prie­sen wird.

Unver­hoh­len ist auch unser Innen­mi­nis­ter, beweist er doch durch seine dum­men Kom­men­tare, wie sehr ihn diese „äuße­ren Mei­nun­gen“ im Plan der Poli­tik stö­ren. Es kann sei­ner Auf­fas­sung von Macht und Volk ganz ein­fach gar nicht sein, dass die Gedan­ken­gänge und Pro­jekte der Regie­rung von außen als untaug­lich, dumm und völ­lig dil­le­tan­tisch offen gelegt wer­den. Dumm und untaug­lich? Nein, warum denn auch? Die Regie­rung will RFID, denn so las­sen sich die Leute noch bes­ser kontrollieren.

Inso­fern man den Per­so­nal­aus­weis bekom­men muss (viel­leicht weil man ver­ges­sen hat, den alten recht­zei­tig zu bestel­len), so ist es – bis­her zuwei­len – erlaubt den Chip auf der Karte untaug­lich zu machen.

Die Dis­kus­sion über RFID ist schon alt und wie groß war der Auf­schrei und die Empö­rung über etwaige Anwen­dun­gen die­ser Tech­nik. Allein schon die Ver­wen­dung im Kauf­haus hat zu Dis­kus­sio­nen geführt. Und nun soll jeder so ein Ding bei sich tra­gen? Was ist los mit Euch?

Der ein­zige “Vor­teil” der RFID-Technik ist es hier, dass inter­es­sierte Kreise (Poli­zei, Geheim­dienste, Ein­bre­cher) unbe­merkt und auf Dis­tanz pro­blem­los die gesam­ten Aus­weise selbst in grö­ße­ren Men­schen­mas­sen pro­blem­los und schnell erfas­sen kön­nen. Egal, ob der Ein­bre­cher mit dem Anten­ne­kof­fer unauf­fäl­lig die Schlange am Flughafen-Checkin nach Adres­sen von Häu­sern abklap­pert, in denen er unge­stört ein­stei­gen kann, oder ob die Poli­zei nun pro­blem­los alle Per­so­na­lien von Leu­ten erfas­sen kann, die an einer Demons­tra­tion teil­neh­men (oder auch nur zufäl­lig im Emp­fangs­be­reich sind).

Die Vor­teile der RFID-Technologie sind in ers­ter Linie inter­es­sant für Ille­gale oder noch nicht lega­li­sierte Nut­zungs­ar­ten. Und das macht mir Sorgen…“

Written by admin

September 23rd, 2010 at 9:23 am