alles Unsinn…ich bin müde

eigentlich war ich immer unpolitisch

Iranische Kriegsschiffe passieren den Suezkanal

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Wäh­rend sich alle Welt noch über die unwich­ti­gen Dinge des Lebens auf­regt, fällt ganz neben­bei eine Mel­dung auf, die es in sich hat:

Kairo hat offen­bar der Durch­fahrt zweier ira­ni­scher Kriegs­schiffe durch den Suez­ka­nal Rich­tung Mit­tel­meer zuge­stimmt. Ein ent­spre­chen­der Antrag Irans sei geneh­migt wor­den, ver­lau­tete am Frei­tag aus Armeekreisen.

Was das bedeu­tet kann man sich den­ken:

Aus israe­li­schen Sicher­heits­krei­sen heißt es: “Israel wird wis­sen, damit umzugehen”.

Die Finanz­märkte rea­gie­ren — ganz über­ra­schend für den ver­stän­di­gen Welt­bür­ger der noch dem blau­ge­blüt­gem Adel wütend ent­ge­gen­schwelgt — bereits auf die­ses Thema: der Erd­öl­preis steigt.

Mich beun­ru­higt, dass ein agyp­ti­sches Mili­tär gegen­über Israel nach Muba­raks Rück­tritt die Chuzpe hat und tat­säch­lich dem Iran dort die Durch­fahrt gewährt. Ich kenne mich da nicht aus, aber ich kann mir vor­stel­len, dass Israel aus Sicher­heits­grün­den nicht lange fackeln wird um einen sta­bi­len Sta­tus Quo wiederherzustellen.

Das benach­barte Libyen wird nicht demo­kra­tisch wer­den. Das glaube ich nicht, weil Ghad­dafi mit Muba­rak und Libyen mit Ägyp­ten nicht zu ver­glei­chen sind.

Muba­rak war stets Dienst­leis­ter der west­li­chen Mächte, ein klas­si­scher nütz­li­cher Dik­ta­tor, wäh­rend des­sen Ghad­dafi es geschafft hat die Gunst des Bil­des vom Isla­mis­mus seit dem 11. Sep­tem­ber 2001 für sich zu nut­zen. Er hat sich nie mehr so geöff­net wie noch in den 70er Jah­ren (als ich dort zur Schule ging), aber er hat zumin­dest den Anschein erweckt, ein dem Wes­ten wenigs­tens lau­schen­des Sys­tem zu sein.

Ghad­dafi bot krea­tive Mög­lich­kei­ten für beide, ein­mal für Isla­mis­ten, ein andern mal für die Ame­ri­ka­ner und ihre Gesin­nungs­ge­nos­sen. Muba­raks Nach­teil war die stra­te­gi­sche Lage sei­nes Lan­des, der Nähe zu Israel und dem Suez­ka­nal. Ghad­da­fis Libyen bot Erd­öl­quel­len und den einen oder ande­ren Mil­li­ar­den­auf­trag für die west­li­che (ja deut­sche) Wirtschaft.

Es stel­len sich nun zwei wich­tige Fragen:

  1. die erste lau­tet, wird Ägyp­ten sei­ner glo­ba­len stra­te­gi­schen Posi­tion gerecht und sichert es wei­ter­hin das Über­le­ben des Wes­tens zu? Die Anzei­chen dafür ste­hen schlecht, und inso­fern sich hier­zu­lande alle über diese “Demo­kra­tie” freuen, wün­sche ich mir, dass daran vor­bei nicht die Rea­li­tät des Lebens über­se­hen wird. Wer uns gefähr­det egal ob er Demo­krat sein will oder nicht, wird — ohne Dis­kus­sion — unschäd­lich gemacht. Was das für furcht­bare Kon­se­quen­zen für diese Men­schen da unten bedeu­tet sollte klar sein.
  2. die zweite, kann sich Ghad­dafi seine Posi­tion durch die kurz­fris­tige Insta­bi­li­tät in Ägyp­ten als Dienst­leis­ter des Wes­tens und damit zu sei­nen und zu unse­ren Guns­ten sichern? Ich meine ja: Ghad­dafi ist ein geschick­ter Stra­tege, gear­bei­tet haben in Libyen sowieso noch nie die Libyer, son­dern immer die Ägyp­ter und andere “Aus­län­der”, “Libyen hat eines der höchs­ten Pro-Kopf-Einkommen des afri­ka­ni­schen Kon­ti­nents. Die Sozi­al­ver­si­che­rung der Ein­woh­ner umfasst die kos­ten­lose medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, sowie Witwen-, Wai­sen– und Alters­ren­ten. All­ge­meine Schul­pflicht bei kos­ten­lo­sem Unter­richt besteht für Sechs– bis Fünfzehnjährige.”

Den Men­schen in Libyen “geht es gut”, um es mal “vor­sich­tig” und völ­lig poli­tisch unkor­rekt aus­zu­drü­cken. Warum sollte das Volk in sei­ner Mehr­zahl dar­auf beste­hen sich in der Reihe der armen arbeits­lo­sen aus­ge­beu­te­ten Nach­barn  anzu­stel­len und in abseh­ba­rer Zeit auf Lam­pe­dusa anzukommen?

Hof­fent­lich gibt es einen schnel­len Frie­den. Solange wir von dort noch Res­sour­cen benö­ti­gen, wird die­ser Stand­ort immer durch den Wes­ten kon­trol­liert werden.

Written by admin

Februar 18th, 2011 at 10:24 pm

8 Responses to 'Iranische Kriegsschiffe passieren den Suezkanal'

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  1. 1. In wel­cher Weise kön­nen zwei ira­ni­sche Kreu­zer im Mit­tel­meer Israel oder jemand ande­res gefähr­den?
    Ich schätze mal, die Über­le­gen­heit der west­li­chen Marine ist so groß, dass diese zwei Schiffe nicht zäh­len. Dazu kommt noch die totale Luft­über­le­gen­heit. Mit ande­ren Wor­ten, die zwei ira­ni­schen Krieg­schiffe stel­len keine Gefahr dar.

    2. Mit wel­cher Begrün­dung sollte die ägyp­ti­sche Mili­tär­junta den bei­den Schif­fen die Durch­fahrt ver­wei­gern? Damit, dass der Wes­ten es for­dert und Kairo unter­tä­nigst erfüllt, was der Wes­ten wünscht?

    3. “Wer uns gefähr­det egal ob er Demo­krat sein will oder nicht, wird – ohne Dis­kus­sion – unschäd­lich gemacht. Was das für furcht­bare Kon­se­quen­zen für diese Men­schen da unten bedeu­tet sollte klar sein.“
    Na, ich würde emp­feh­len, dass unsere Außen­po­li­tik die­sen Grund­satz mal öffent­lich aus­spricht. Was da wohl pas­sie­ren würde?

    Wir dür­fen jeden ande­ren gefähr­den — aber uns darf nie­mand gefährden?

    Wir sind noch die Her­ren der Welt, aber nicht mehr lange. China lacht sich einen Ast, wenn es sieht, wie es sich die USA und Europa mit den ara­bi­schen Völ­kern ver­dor­ben haben und wei­ter ver­der­ben. China braucht nur still­zu­hal­ten und zuzu­schauen, wie wir mit der Arro­ganz, die in dem Zitat schön for­mu­liert wird, unse­rem eige­nen Inter­esse zuwiderhandeln.

    Wir wer­den es uns nicht mehr lange leis­ten können.

    Klü­ger wäre es, wir wür­den anfan­gen, die Inter­es­sen der ara­bi­schen und der isla­mi­schen Völ­ker ernst zu neh­men — auch wenn das auf Kos­ten Isra­els gehen sollte. Andern­falls fal­len die isla­mi­schen Län­der wie reife Äpfel in den Schoß des immer stär­ker wer­den­den China — und China braucht das Öl des Nahen Ostens genauso wie die USA und wir.

    In die­ser glo­ba­li­sier­ten Welt ist es klug, die Inter­es­sen der ande­ren — auch der Kon­kur­ren­ten — gleich­wer­tig mit den eige­nen zu begrei­fen, und eine Poli­tik des fai­ren Inter­es­sen­aus­gleichs anzu­stre­ben. Das ist nicht leicht, das wird manch­mal ganz oder teil­weise schei­tern, aber sol­che Real­po­li­tik ist unsere ein­zige Chance.

    Leo Brux

    18 Feb 11 at 23:29

  2. In die­ser glo­ba­li­sier­ten Welt ist es klug, die Inter­es­sen der ande­ren – auch der Kon­kur­ren­ten – gleich­wer­tig mit den eige­nen zu begrei­fen, und eine Poli­tik des fai­ren Inter­es­sen­aus­gleichs anzu­stre­ben. Das ist nicht leicht, das wird manch­mal ganz oder teil­weise schei­tern, aber sol­che Real­po­li­tik ist unsere ein­zige Chance.”

    schön wäre es ja. Aber der größte Teil der Welt kann sich unsere phi­lo­so­phi­sche Huma­ni­tät nicht leis­ten. Und inso­fern der Wes­ten irgend­wann seine Macht ver­liert, wer­den _diese_ Men­schen kei­nen fai­ren Inter­es­sen­aus­gleich mit uns wol­len. Das ist die ame­ri­ka­ni­sche Hybris.

    Oliver Mark

    19 Feb 11 at 00:45

  3. Ohne hard power (mili­tä­risch und ökono­misch) ist man natür­lich im inter­na­tio­na­len Macht­spiel verloren.

    Diese Res­source braucht man AUCH, und man muss fähig sein, sie effi­zi­ent und punkt­ge­nau einzusetzen.

    Der Feh­ler, den ich in Ihrer Kal­ku­la­tion sehe, ist: Sie set­zen LETZTLICH NUR auf diese hard power.

    Das ist nicht Realpolitik.

    NUR auf hard power zu set­zen, das funk­tio­niert nur, wenn man auch abso­lut über­le­gen ist und es sich inso­fern leis­ten kann, die andern alle durch bloße Dro­hun­gen zum Kuschen zu bringen.

    In einer Welt, in der die Macht eini­ger­ma­ßen so ver­teilt ist, dass eine starke Nation nicht ein­fach machen kann, was sie will, ohne viel Rück­sicht auf die ande­ren, in einer sol­chen Welt ist es KLUG, MIT den Inter­es­sen der ande­ren zu rech­nen, GEMEINSAME Inter­es­sen zu pfle­gen, Mecha­nis­men der Ent­span­nung und des Aus­gleichs zu ent­wi­ckeln, etc. Also: koope­ra­tiv zu ver­fah­ren, so weit es geht, und pro­gram­ma­tisch und offen­siv auf koope­ra­tive Ver­fah­ren zu setzen.

    Nicht aus mora­li­schen Grün­den, son­dern weil es dem eige­nen Inter­esse am bes­ten entspricht.

    Leo Brux

    19 Feb 11 at 16:49

  4. Naja, ich hoffe doch sehr, dass ich mich ver­kal­ku­liere! Inso­fern es Israel und den West­mäch­ten gelingt diese Situa­tion fried­lich und ohne Eska­la­tio­nen zu regu­lie­ren (falls ja über­haupt mög­lich, ich weiss das nicht) soll es mir doch grade recht sein!

    Oliver Mark

    19 Feb 11 at 16:55

  5. Ach ja, auf DIESE Frage würde mich Ihre Ant­wort inter­es­sie­ren — ich habe sie oben schon mal gestellt:

    3. “Wer uns gefähr­det egal ob er Demo­krat sein will oder nicht, wird – ohne Dis­kus­sion – unschäd­lich gemacht. Was das für furcht­bare Kon­se­quen­zen für diese Men­schen da unten bedeu­tet sollte klar sein.”
    Na, ich würde emp­feh­len, dass unsere Außen­po­li­tik die­sen Grund­satz mal öffent­lich aus­spricht. Was da wohl pas­sie­ren würde?

    Mei­nen Sie,
    a) Kanz­le­rin und Außen­mi­nis­ter soll­ten nach die­sem Grund­satz Außen­po­li­tik machen?
    b) sie soll­ten, da wir schließ­lich eine Demo­kra­tie sind, dies auch öffent­lich kund tun, also das Prin­zip öffent­lich debat­tie­ren?
    c) die ganze EU-Außenpolitik, soweit es eine gibt, sollte nach die­sem Grund­satz handeln?

    Wel­che Reak­tio­nen würde die­ser außen­po­li­ti­sche Grund­satz auf der Welt hervorrufen?

    Wenn dar­über welt­weit Empö­rung herr­schen würde, warum?

    In wel­cher Weise berück­sich­ti­gen wir in unse­rer Außen­po­li­tik, dass wir bzw. unser Inter­es­sen­stand­punkt und seine Durch­set­zung auch eine Gefähr­dung ande­rer bedeu­ten kann?

    Leo Brux

    19 Feb 11 at 16:59

  6. Nun, ich zitiere sinn­ge­mäß Noam Chomsky. Mit der “Ame­ri­ka­ni­schen Hybris” habe ich auch indi­rekt auf das genau Werk von ihm hin­ge­wie­sen. Mit “wir” meine ich die west­li­chen Gesell­schaf­ten im Ver­bund der USA. Weil ich Choms­kys Ana­lyse der Welt­ge­schichte und dem “ame­ri­can way of glo­bal sta­bi­lity” für plau­si­bel halte, befürchte ich meine “Kal­ku­la­tion”. Ich hoffe es stimmt wie gesagt nicht!

    Und zum Thema “öffent­lich kund tun” ver­weise ich auf den Unsinn mit dem Rück­tritt unse­res Bun­des­prä­si­den­ten, der nur wie­der­holte, was seit 96 im Weis­buch der Bun­des­wehr stand. Die Auf­re­gung war reine Heuchelei.

    Oliver Mark

    19 Feb 11 at 17:07

  7. Ich sehe schon, ich hab Sie miss­ver­stan­den.
    Sorry.

    Leo Brux

    19 Feb 11 at 21:11

  8. […] im glo­ba­len Kampf mit China zu sichern. Die Demo­kra­ti­sie­rungs­welle in Nord­afrika (die in Libyen mei­ner Ansicht nach nicht zum Erfolg füh­ren wird). Ich meine, tat­säch­lich ist der Umbruch in Nordafrika […]

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